Ungarn in der Flüchtlingskrise Ein Land zäunt sich ein

Erst Serbien, jetzt auch Rumänien und Kroatien: Ungarns Regierung sucht ihr Heil in der Flüchtlingskrise, indem sie immer mehr Grenzzäune bauen lässt.

Von Cathrin Kahlweit

Nachdem die ungarische Regierung in der Nacht zum Dienstag den Grenzzaun an der serbischen Grenze vollendet und alle Grenzübergänge nach Serbien für 30 Tage geschlossen hat, soll es nun weitere Zäune geben.

Premier Viktor Orbán bestätigte am Mittwoch ein Gerücht, das seit Tagen in Budapest die Runde gemacht hatte: dass Ungarn nun auch einen Zaun zu Kroatien plane; die Änderung der Routen, welche die Flüchtlinge nach der Schließung der Grenze zu Serbien nähmen, erzwinge eine solche Maßnahme. Es sei offensichtlich, dass der Weg nun nicht mehr über die ungarisch-serbische Grenze verlaufe. "Sie werden anderswo hingehen. Deswegen haben wir uns entschlossen, auch an der Grenze zu Rumänien einen Zaun zu bauen. Wir werden auch an bestimmten Stellen der kroatischen Grenze einen Zaun aufstellen. Es gibt bereits Pläne dafür."

Schlagabtausch zwischen Rumänien und Ungarn

Schon am Dienstag hatte Außenminister Péter Szijjártó die Pläne für die rumänische Grenze öffentlich gemacht. Beide Staaten, Kroatien und Rumänien, sind wie Ungarn Mitglieder der EU. Der rumänische Premier hatte daraufhin gewütet, das Vorgehen Ungarns erinnere ihn an das Europa der 1930er Jahre. Der Schlagabtausch zwischen Bukarest und Budapest nahm seither massiv an Schärfe zu; auf ungarischer Seite war von einer "Lügenspirale" die Rede, auf rumänischer von "inakzeptablem Sprachgebrauch".

Ungeachtet dessen schafft Budapest offenbar schon Fakten: Am Dreiländereck von Serbien, Rumänien und Ungarn nahe dem Dorf Kübekháza haben ungarische Arbeiter angefangen, den Bau der Grenzanlage vorzubereiten, und an jenen Stellen, wo später Betonpfosten stehen sollen, schon einmal Holzpflöcke in den Boden gerammt.