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Neuer UN-Generalsekretär:Was von António Guterres zu erwarten ist

Antonio Gurerres set to be next UN Secretary General

Der UN-Sicherheitsrat will, dass António Manuel de Oliveira Guterres, 67, Nachfolger von Ban Ki Moon als UN-Generalsekretär wird. Er gilt als guter Vermittler und wird für seine joviale Art geschätzt.

(Foto: dpa)

Als portugiesischer Premier legte er den Grundstein für die Schuldenkrise seines Landes. Bei den UN gilt Guterres als kompromissbereiter Vermittler - selbst die Chinesen haben seine Kandidatur unterstützt.

Seine Bilanz als Premierminister Portugals ist durchwachsen, am Ende seiner zehn Jahre als UN-Flüchtlingskommissar sah er sich zunehmender Kritik ausgesetzt. Doch nun steht António Guterres vor dem Aufstieg in das höchste internationale Amt: Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen benannte ihn am Mittwoch einstimmig als Kandidaten für den Posten des UN-Generalsekretärs. Seine Wahl durch die Vollversammlung gilt als sicher. Die Amtszeit des Südkoreaners Ban Ki Moon endet am 31. Dezember.

Der 67-Jährige, der neben Portugiesisch fließend Englisch, Französisch und Spanisch spricht, gilt als guter Unterhändler und Vermittler, er wird international wegen seines jovialen und charmanten Auftretens geschätzt. Er vermeidet scharfe Konfrontation. Sein Markenzeichen ist ein verbindliches Lächeln.

Bereits zu Beginn seiner politischen Laufbahn half ihm die Fähigkeit, Kompromisse zu schließen. In die Politik war er kurz nach der Nelkenrevolution 1974 gekommen, mit der mehr als vier Jahrzehnte Diktatur ohne Blutvergießen endeten. Zuvor hatte Guterres Elektrotechnik studiert, in der Opposition gegen die Diktatur hatte er sich nicht engagiert.

Guterres wurde bereits mit 27 Jahren ins Parlament gewählt

Wie viele andere junge Intellektuelle setzte er auf die Sozialistische Partei (PS). Bereits 1976, als er 27 Jahre alt war, wurde er erstmals ins Parlament von Lissabon gewählt. Bald trat er an die Spitze der Fraktion, 1995 gewann er als Spitzenkandidat die Parlamentswahlen und wurde Premierminister. In seiner Amtszeit begann der große Boom, Guterres' Name stand für eine blühende Wirtschaft und den Modernisierungsschub, den das Land damals erlebte.

Ein Dutzend Jahre später erst, als Portugal wegen seiner enormen Verschuldung an den Rand des Staatsbankrotts geriet, drang ins öffentliche Bewusstsein, dass es vor allem ein künstlicher, auf Kredit gebauter Boom war. Seine Regierung hatte die möglichen Folgen der hohen Verschuldung der Privathaushalte völlig unterschätzt, überdies hatte sie selbst Milliarden an Krediten für große Infrastrukturprojekte aufgenommen, vor allem für die Fußballeuropameisterschaft 2004. Guterres hatte also eine große Aktie an der portugiesischen Krise, doch zu seiner Regierungszeit wurden warnende Stimmen überhört. Auch sein konservativer Nachfolger José Manuel Barroso korrigierte den Kurs nicht, dessen verheerende Folgen erst später offenbar wurden.

Da bewegte sich Guterres aber längst in der internationalen Politik. Der erste Schritt dazu war die Übernahme der Präsidentschaft der Sozialistischen Internationale im Jahr 1999. Zwei Jahre später trat er als Premier zurück, sein Kabinett erschütterte ein Korruptionsskandal, auch wurde es für den Einsturz einer Brücke im Norden des Landes verantwortlich gemacht, bei dem 59 Menschen den Tod fanden.

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Er warnte die USA vor Kriegseinsätzen im Nahen Osten

2005 nahm er die Einladung des UN-Generalsekretärs Kofi Annan an, das Amt des Hohen Flüchtlingskommissars zu übernehmen. Nach den Zahlen, die sein Sekretariat veröffentlichte, ist weltweit im letzten Jahrzehnt die Zahl der Flüchtlinge von 38 auf 60 Millionen gestiegen. Im neuen Amt wurde er mit den großen Migrationswellen aus dem Nahen Osten und Afrika über das Mittelmeer nach Europa konfrontiert. Wie auch der EU-Kommission wurde ihm vorgeworfen, die Entwicklung nicht vorausgesehen zu haben und zu spät gemeinsam mit den EU-Ländern Lösungen gesucht zu haben. Allerdings hatte Guterres die Regierungen in Washington und London davor gewarnt, dass das militärische Eingreifen in arabischen Ländern die Stabilität der gesamten Region gefährden könnte.

Obwohl Guterres ein "Mann des Westens" ist, wie er sich selbst nennt, ist es ihm gelungen, auch tragfähige Kontakte nach Moskau und Peking aufzubauen. Die Vertreter Russlands und Chinas haben keine Einwände gegen seine Kandidatur erhoben, sondern ihn ebenfalls unterstützt. So äußern UN-Diplomaten vieler Länder nun die Hoffnung, dass es Guterres gelingen werde, in manche festgefahrenen Fronten Bewegung zu bringen.