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UN-Klimakonferenz:Alles beim Alten

Parallel zum G-7-Gipfel verhandelten in Bonn Diplomaten über ein neues Klima-Abkommen. Doch das Ergebnis ist mau.

Alles ist relativ, auch bei internationalen Klimaverhandlungen. Über den Westfälischen Frieden etwa, sagt Frankreichs Chef-Unterhändlerin Laurence Tubiana, habe man schließlich auch jahrelang verhandelt. Ein Abkommen sei eben nichts, was man über Nacht bekommt. "Seid also nicht so ungeduldig." Und genau genommen wird über ein Klimaabkommen ja auch schon seit Jahren verhandelt.

In Bonn sollten die Verhandler aus knapp 200 Staaten nun eigentlich einen Schritt vorankommen. Fast zwei Wochen lang verhandelten sie, bis diesen Donnerstag. Doch während die G-7-Staaten auf Schloss Elmau den Abschied von Kohle, Öl und Gas anpeilten, können die Diplomaten aus Bonn kaum Messbares mitnehmen.

Dabei sollte das Treffen helfen, den komplizierten Vertragstext zumindest schon einmal zu durchforsten. Bislang steht in einem ersten Entwurf auf 90 Seiten alles und nichts, er enthält für alle Bereiche des Klimaschutzes jeweils anspruchsvolle, belanglose und halbwegs brauchbare Optionen. "Wir müssen von den Klammern wegkommen", hatte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius kürzlich bei einer Konferenz in Berlin gefordert. Der Text sei noch immer zu lang. Frankreich hat ein besonderes Interesse an Fortschritten, schließlich ist Paris Schauplatz jener Konferenz, die im Dezember ein neues globales Klimaabkommen hervorbringen soll.

Doch viel kürzer wurde der Text nicht. Hier und da wurden Unstimmigkeiten korrigiert, von Optionen verabschieden aber wollten sich die Staaten nicht. Kürzen sei kein Wert an sich, sagte EU-Verhandlerin Ilze Prūse. "Wir hätten das Dokument gerne präziser gehabt, aber gleichzeitig wollen wir einen anspruchsvollen Text." So blieb nach dem Aufbruch von Elmau im Kreis der Diplomaten erst einmal alles beim Alten. "Dieser Prozess ist noch nicht verbunden mit der Bewegung in der echten Welt", sagt Jennifer Morgan, Klimaexpertin vom Washingtoner World Resources Institute. "Um rechtzeitig fertig zu werden, muss sich die ganze Art der Verhandlungen verändern."

Erste Anzeichen dafür gibt es. So konnten sich die Staaten immerhin darauf verständigen, nun eine kleinere Gruppe mit der Arbeit an einem neuen, kürzeren Entwurf zu betrauen. Ende Juli tritt sie zusammen - kurz nach einem Treffen der Umwelt- und Klimaminister in Paris. "Es ist wichtig zu verstehen, dass es Schritt für Schritt gehen muss", sagt auch Christiana Figueres, die Chefin des UN-Klimasekretariats. Potenzielle Sollbruchstellen wollte sie nicht nennen, obwohl es noch einige heikle Themen gibt: die Finanzierung von Klimaschutz in Entwicklungsländern etwa, die rechtliche Form des neuen Abkommens, die Aufgaben der Schwellenländer. Im Oktober kommen die Verhandler noch mal zusammen, dann soll eigentlich ein grober Entwurf stehen. Zehn Verhandlungstage bleiben so noch - vor der großen Konferenz.

© SZ vom 12.06.2015
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