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Umweltschutz:Mausetot

Feldhamster und Feldmaus teilen das gleiche Revier, aber längst nicht das gleiche Los. Während sich die Mäuse munter vermehren, drohen die Hamster auszusterben. Nun könnte sich das Schicksal der beiden Tiere unheilvoll verweben.

Von Michael Bauchmüller

Feldhamster und Feldmaus teilen das gleiche Revier, aber längst nicht das gleiche Schicksal. Beide lieben die Felder und leben davon. Doch während sich die Mäuse munter vermehren, drohen die Hamster auszusterben. Ein rasanter Schwund von 50 Prozent im Jahr bahne sich an, warnte die Weltnaturschutzunion IUCN im Juli - und stufte den Nager von "ungefährdet" auf "vom Aussterben bedroht" hoch. Doch nun droht sich das Schicksal der beiden unheilvoll zu verweben.

Denn in Teilen Thüringens und Sachsen-Anhalts kämpfen Bauern mit einer veritablen Mäuseplage. Bei der Getreideernte bahnten sich massive Verluste an, warnt der Thüringer Bauernverband, und die Rapsaussaat im Herbst werde womöglich auch von Feldmäusen vertilgt. Nachdem frostige oder besonders feuchte Winter zuletzt ausfielen und der Feldmaus somit auch nichts anhaben konnten, soll es nun Gift richten.

In geschützten Gebieten darf das erst ab November ausgelegt werden. Dann verschwindet der Hamster über den Winter tief in seinem Bau; das Risiko, ihm zu schaden, ist gering. Doch Landwirte und Länderministerien drängen auf eine Ausnahme, das Gift soll früher wirken. Zuständig ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), das wiederum Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) untersteht.

Klöckner hat in einem Brief an die Länder klargemacht, dass sie bei Mäusen keinen Spaß versteht. Das BVL werde "kurzfristig prüfen und bescheiden", ob es Raum für Ausnahmen sieht. Auch örtliche Behörden sollten Spielräume nutzen, - wenn etwa seit Jahren kein Hamster mehr gesichtet wurde. Das sieht der Bauernverband in Thüringen ähnlich und fragt: "Wenn kein Feldhamster da ist, warum muss es dann ein Schutzgebiet sein?"

Nur: Warum ist kein Feldhamster mehr da? Umweltschützer verweisen zurück auf die Landwirtschaft: Immer größer seien die Monokulturen geworden, klagt Christian Kemnade, Artenschutz-Experte bei der Deutschen Wildtier Stiftung. Nach der Ernte fänden die Hamster so weit und breit kein Futter mehr. "Wir brauchen wieder mehr Vielfalt in der Fläche", sagt er. Und der Feldmaus könnten auch natürliche Feinde zu Leibe rücken, wie etwa Greifvögel. Auf den endlosen Flächen bräuchten die nur hier und da einen Ausguck. Früher waren das Bäume.

© SZ vom 14.08.2020

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