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Ukraine: Oppositionschefin vor Gericht:Timoschenko muss in Untersuchungshaft

Sie beleidigte den Richter und stellte seine Objektivität in Frage, am Ende kam es zu Handgreiflichkeiten: Weil die wegen Amtsmissbrauchs angeklagte Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko wiederholt die Verhandlung gestört hat, ließ ein ukrainisches Gericht sie in Untersuchungshaft nehmen.

Die frühere ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko ist in Haft. Ein Gericht in der Ukraine ließ die wegen Amtsmissbrauchs angeklagte Oppositionsführerin in Untersuchungshaft nehmen. Die Staatsanwaltschaft habe dies nach mehreren Störversuchen Timoschenkos während des Prozesses beantragt, meldete die Agentur Interfax aus dem Gerichtssaal. Vor gut einer Woche hatte das Gericht die Untersuchungshaft noch abgelehnt.

Vor Präsidentenwahl in der Ukraine - Julia Timoschenko

Julia Timoschenko steht wegen Amtsmissbrauchs vor Gericht.

(Foto: dpa)

Die Politikerin hatte den Prozess als Versuch von Präsident Viktor Janukowitsch kritisiert, sie von einer Teilnahme an den Wahlen abzuhalten. Auch hatte sie sich geweigert, das Gericht zu respektieren und aufzustehen, während sie den Vorsitzenden Richter ansprach. Zudem beleidigte sie diesen wiederholt und stellte seine Objektivität infrage. Kurz nach der Entscheidung kam es zu Handgreiflichkeiten im Gerichtssaal.

Als Zeuge belastete Regierungschef Nikolai Asarow die 50-jährige Timoschenko schwer. Seine Vorgängerin habe 2009 mit Russland ein "verräterisches" Gasabkommen geschlossen, das für die Ukraine "völlig unvorteilhaft" sei. Die in dem Abkommen vorgesehene Preiserhöhung habe das Land beinahe in den Bankrott getrieben.

Timoschenko muss sich seit Ende Juni in diesem von der ukrainischen Öffentlichkeit zwiespältig betrachteten Verfahren vor Gericht verantworten. Laut Anklage soll die Ukraine während ihrer Amtszeit unter anderem durch ein Gasgeschäft mit Russland Hunderte Millionen Euro verloren haben. Timoschenko weist die Vorwürfe als politisch motiviert zurück und hat aus Protest nach eigenen Angaben den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte angerufen. Ihr drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Die Politikerin war nach der prowestlichen Orangenen Revolution von 2004 Regierungschefin geworden. 2010 verlor sie gegen Janukowitsch bei der Präsidentenwahl.

Timoschenko hat nicht das erste Mal Ärger mit der Justiz. 1999 wurde sie Vizeregierungschefin unter Präsident Leonid Kutschma. Doch der ließ sie fallen, als sie 2001 wegen Schmuggels und Urkundenfälschung angeklagt wurde. Damals verbrachte sie mehr als 40 Tage in Untersuchungshaft.