Türkisch-deutsche Beziehungen Will Ankara eine Annäherung, muss Deniz Yücel freikommen

Wenn die Türkei sich im Falle Yücel bewege, so Çavuşoğlu, komme das von Herzen. Wer so redet, hat offenbar noch nicht verstanden, warum das Verhältnis heute leider so ist wie es ist.

(Foto: AFP)

Außenminister Çavuşoğlu erklärt 2018 zum Jahr der "Entspannung" in den deutsch-türkischen Beziehungen. Aber man sollte nicht zu viel auf seine Worte geben.

Kommentar von Mike Szymanski

Mevlüt Çavuşoğlu, der türkische Außenminister, legt ein verstörendes Verständnis von Annäherung an den Tag. Er glaubt, 2018 könnte das Jahr sein, in dem sich das frostige Verhältnis zwischen Berlin und Ankara entspannt. Mit seinen Interview-Äußerungen trägt er aber rein gar nichts dazu bei.

Die Nazi-Vergleiche, mit denen Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan im Streit um Auftrittsverbote türkischer Politiker Deutschland überzogen hatte, bereut er keineswegs. Sein "Freund" Sigmar Gabriel dagegen habe sicher verstanden, dass er einen Fehler gemacht habe, als er den inhaftierten Welt-Korrespondenten Deniz Yücel als Geisel der Türkei bezeichnete. Dass Yücel seit zehn Monaten in Untersuchungshaft sitzt, ohne dass die Justiz auch nur eine Anklageschrift vorgelegt hat, sei auch "nichts Persönliches". Wenn die Türkei sich bewege, so Çavuşoğlu, komme das von Herzen. Wer so redet, hat offenbar noch nicht verstanden, warum das Verhältnis heute leider so ist, wie es ist.

Was kann Berlin angesichts derart viel Chuzpe lernen? Man sollte nicht zu viel auf diese Worte aus Ankara geben. Das missglückte Interview treibt den Keil zwischen beiden Ländern im Zweifel nur tiefer. Was derzeit zählt, sind allein Taten: Zuletzt hatte die Justiz in einem halben Dutzend Fälle zugunsten deutscher Gefangener entschieden, die aus politischen Gründen in Haft saßen. Will Ankara die Annäherung wirklich, muss Yücel freikommen. Das wäre eine unmissverständliche Botschaft.

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