Türkei Erdoğan droht den USA mit "osmanischer Ohrfeige"

Der Präsident warnt in Ankara den Nato-Partner vor einer direkten militärischen Konfrontation in Syrien.

Von Christiane Schlötzer und Mike Szymanski

Die Spanungen zwischen den beiden Nato-Partnern Türkei und USA haben einen neuen Höhepunkt erreicht. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan drohte Washington am Dienstag mit einer "osmanischen Ohrfeige", sollte es zu einer direkten Konfrontation von türkischen Truppen und US-Einheiten in Syrien kommen. Unter Applaus der AKP-Abgeordneten sagte Erdoğan bei einer Fraktionssitzung in Ankara: "Natürlich werden wir nicht absichtlich auf sie zielen, aber wir verkünden jetzt schon, dass wir jeden Terroristen, den wir sehen, vernichten und ausmerzen werden - angefangen mit denen, die direkt neben ihnen stehen."

Dies zielt direkt auf die USA, die im syrischen Manbidsch eigene Kräfte stationiert haben. Die Türkei hatte zuletzt bereits damit gedroht, ihre am 20. Januar begonnene Militäroperation in Syrien über den kurdisch dominierten Kanton Afrîn hinaus nach Manbidsch auszudehnen. Dort hatten 2016 von der kurdischen YPG geführte und von den USA unterstützte Truppen die Kämpfer des IS verjagt. Die YPG ist nach Überzeugung Ankaras Teil der PKK, die in der Türkei lange für einen eigenen Staat gekämpft hat. Die PKK gilt in der Türkei wie in Europa als Terrororganisation.

US-Außenminister Rex Tillerson sagte am Dienstag in Kuwait, die türkische Militäroffensive lenke ab vom vereinbarten Kampf gegen den IS, darauf habe er Ankara hingewiesen. Am Donnerstag werden Tillerson und US-Verteidigungsminister James Mattis dort erwartet. Dann könnte die Kontroverse einen neuen Höhepunkt erreichen, zumal das Pentagon angekündigt hat, man wolle die von der YPG dominierte Militärkoalition mit weiteren 300 Millionen Dollar unterstützen. Erdoğan sagte den AKP-Abgeordneten, "das wird unsere Entscheidungen beeinflussen". Unterdessen steigen die Spannungen auch im Mittelmeer. In der Nacht zum Dienstag rammte ein türkisches Patrouillenboot laut griechischen Angaben ein Schiff der griechischen Küstenwache. Der Vorfall soll bei einer unbewohnten Insel passiert sein, um die es zwischen den Nachbarn 1996 fast zum Krieg gekommen wäre. Die Griechen nennen sie Imia, die Türken Kardak. Ein Sprecher der EU-Kommission mahnte die Türkei, die Souveränität der EU-Staaten über ihre Hoheitsgewässer zu respektieren. Das beschädigte griechische Boot sei von der Europäischen Grenz- und Küstenwache kofinanziert worden. Deshalb sei der Zwischenfall auch für europäische Steuerzahler relevant. In Berlin wird am Donnerstag der türkische Premier Binali Yıldırım erwartet, zum Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel. Dabei dürfte der Fall des in der Türkei nun seit einem Jahr ohne Anklage inhaftierten Welt-Journalisten Deniz Yücel wieder Thema sein. Aus dem Kanzleramt verlautete, die türkische Seite kenne Berlins Erwartungen sehr genau. Regierungssprecher Steffen Seibert machte am Montag erneut klar, Deutsche, die aus nicht nachvollziehbaren Gründen inhaftiert seien, müssten freigelassen werden. Yücel sei da sicher "der prominenteste".