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Tschechien:"Wir haben einen Versuch"

Coronavirus in Tschechien: Person in einem Schutzanzug in Prag

350 Infizierte pro 100 000 Einwohner: Szene aus Prag.

(Foto: Michal Kamaryt/imago images)

Prag könnte Beschränkungen wie im Frühjahr verhängen.

Von Viktoria Großmann

Es ist, als hätte die Pandemie Tschechien zeitverzögert erreicht. Durch strenge Ausgangsbeschränkungen im Frühjahr hatte das Land bis zum Spätsommer kaum Fälle zu verzeichnen. Am Freitag dann wurden 8616 Sars-CoV-2-Neuinfektionen an einem einzigen Tag gemeldet. Ein Ausreißer nach oben, trotzdem hat sich die Zahl bei etwa 5000 pro Tag eingependelt. Die Risiko-Warnstufe des RKI von 50 Infizierten auf 100 000 Menschen übersteigen alle tschechischen Regionen seit Wochen um mindestens das Fünffache, in der Hauptstadt Prag sind es 350 - aber das ist längst nicht der Spitzenwert im Land. Einen neuen Lockdown wollen die Politiker nun nicht mehr ausschließen. Am späten Montagabend verkündete die Regierung neue Maßnahmen, dazu gehört ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit. Zudem sollen wieder alle Schüler zu Hause lernen, Bars und Restaurants müssen schließen.

"Wir haben einen Versuch, und der muss erfolgreich sein", sagte Premier Andrej Babiš. Ihm wird vorgeworfen, die Gefahr viel zu lange ignoriert zu haben. Zur Sorglosigkeit trugen auch Mediziner bei, die in einer Petition die Regierung aufforderten, keine Panik zu verbreiten. Daraufhin riefen Ärzte aus den Covid-Stationen ihre Kollegen anderer Fachrichtungen auf, derlei Theorien besser für sich zu behalten und lieber mit anzupacken. Alarmierend hoch ist auch die Zahl der Infizierten unter den Krankenhausmitarbeitern. So haben sich bereits zehn Prozent der Ärzte und 17 Prozent der Krankenschwestern angesteckt.

© SZ vom 14.10.2020
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