Terrorgefahr in Deutschland:Geld, Waffen und Gehilfen aus Europa

Die vereitelten Anschläge mit Paketbomben aus dem Jemen jedenfalls beweisen, dass höchste Wachsamkeit auch neun Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in Amerika geboten ist. Die Qaida- Führung um Osama bin Laden sorgt sich zwar vor allem um das eigene Überleben und mag geschwächt sein.

Polizei-Kontrolle auf Flughafen Hamburg

Die Polizei-Kontrollen an den deutschen Flughäfen und Bahnhöfen werden wieder strenger.

(Foto: dapd)

Auch deren Bilanz ist durchwachsen: Der islamistische Terror der Nullerjahre hat zwar mächtige Spuren in der Geschichte hinterlassen, letztlich aber hat er den Anhängern von Kalifat, Gottesstaat und der Vertreibung des westlichen Satans so gut wie keine strategischen Erfolge beschert, nicht einmal in Afghanistan oder im Irak. All diesen Rückschlägen zum Trotz ist es entschlossenen und versierten Terroristen jederzeit zuzutrauen, abermals eine große Zahl Unschuldiger zu töten, ob auf einem Transatlantikflug, in einer europäischen Hauptstadt oder an der Ostküste der USA.

Ein Mann wie Kaschmiri gilt den Sicherheitsexperten in Washington und anderswo deswegen als so gefährlich, weil er einerseits im lokalen Dauerkrieg um Afghanistan aufgewachsen ist und die Kunst des Guerillakampfes mit all seinen Widrigkeiten beherrscht. Andererseits denkt er global, sieht seine Ziele im großen internationalen Kontext. Zu diesem rechnet er eben nicht nur die Nato in Afghanistan, sondern auch die Auseinandersetzung mit Indien um Kaschmir und europäische Mohammed-Karikaturen.

Die US-Justiz hat Mohammed Kaschmiri denn auch angeklagt, weil er sich an verschiedenen Verschwörungen beteiligt haben soll, nicht nur in Indien, sondern zum Beispiel auch in Europa. Kaschmiri soll einen Komplizen auf die Reise geschickt haben, um einen Anschlag auf die dänische Zeitung Jyllands Posten zu begehen, die im Jahr 2005 die Mohammed-Karikaturen veröffentlicht hatte. Laut US-Anklageschrift soll Kaschmiri seinem Mitverschwörer erklärt haben, bei wem in Europa er Geld, Waffen und Gehilfen anfordern könne.

Auch Dschihadisten aus Deutschland unterstützen diese Gotteskrieger. Dieses Netzwerk mit den vielen europäischen Knoten ist noch immer das größte Kapital der angeschlagenen al-Qaida. Die Amerikaner sehen in Kaschmiri einen der neuen Anführer, aber die Afghanistanreisen etlicher zorniger Männer aus Deutschland haben gezeigt, dass Terroraufträge nicht nur von Qaida-Prominenten, sondern auch von weitgehend unbekannten Anführern stammen können. Vielleicht sind die Namenlosen sogar noch gefährlicher als der gefürchtete Einäugige.

© SZ vom 18.11.2010/wolf
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