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Ostafrika:Tansanias Präsident Magufuli ist tot

John Magufuli

Mit seinem Umgang mit der Corona-Pandemie sorgte der zunehmend autokratische Präsident von Tansania international für Aufsehen.

(Foto: AP)

Wochenlang war der umstrittene Staatschef und Corona-Skeptiker nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten. Nun erlag er offiziellen Angaben zufolge einem Herzversagen. Er wurde 61 Jahre alt.

Tansanias Präsident John Magufuli ist tot. Er starb am Mittwoch in Daressalam an Herzversagen, teilte Vizepräsidentin Samia Suluhu Hassan mit. Der Staatschef, dessen zweiwöchige Abwesenheit in der Öffentlichkeit vor seinem Tod Spekulationen über eine Covid-19-Erkrankung befeuert hatte, dementierte lange die Existenz des Coronavirus in dem ostafrikanischen Land. Er wurde 61 Jahre alt.

Tansania ist das einzige Land der Welt, das keine Daten mehr über Infektionszahlen erhebt, obwohl es von der WHO immer wieder dazu aufgefordert wird. Die letzten Zahlen stammen vom Mai, danach erklärte Magufuli Corona für besiegt. Mal nannte er es eine Erfindung des Westens, mal behauptete er, ein Labor hätte auch eine Ziege und eine Mango positiv auf Corona getestet.

Bis heute weigert sich Tansania, Impfstoffe bei der Covax-Initiative zu bestellen, die ärmeren Ländern kostenlose Kontingente zur Verfügung stellt. Das Land kennt so gut wie keine Einschränkungen des öffentlichen Lebens, Maskenpflicht gibt es bis heute nicht. Das hat zwar auch dazu geführt, dass Tansania wirtschaftlich nicht ganz so hart von der Pandemie getroffen wurde und der Tourismus weitergeht.

Magufuli, der 2015 an die Macht kam, polarisierte in dem ostafrikanischen Land. Von Befürwortern wurde er unter anderem wegen seines starken und kompromisslosen Führungsstils, großer Infrastruktur-Projekte und Versprechen der Korruptionsbekämpfung unterstützt. Kritiker aber verurteilten seine zunehmenden Beschränkungen von Presse- und Meinungsfreiheit sowie seinen Umgang mit der Corona-Pandemie. Die Menschenrechtsbilanz in Tansania sei unter Magufuli stetig gesunken, urteilte etwa die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW).

© SZ/dpa/bed
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