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Syrien:Viele Tote bei Luftangriff

Es ist der offene und bisher wohl schwerste Bruch einer eigentlich geltenden Waffenruhe in Idlib: Bei russischen Luftangriffen im Nordwesten Syriens sind laut Aktivisten mindestens 78 mit der Türkei verbündete Rebellen getötet worden. Rund 100 weitere seien bei den Bombardements eines Militärlagers verletzt worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag mit. Nach anderen Angaben wurden etwa 50 Menschen getötet. Am Himmel waren russische Kampfflugzeuge zu sehen. Sie griffen demnach die islamistische Miliz Failak al-Scham an, die mit der Türkei verbündet ist. Die Bomben trafen ein Ausbildungslager bei Harim nahe der türkischen Grenze. In den nächsten Tagen sollten dort rund 150 Kämpfer ihre Ausbildung abschließen. Auf Videos, die Minuten nach dem Angriff zeigen sollen, waren in Decken gehüllte Leichen zu sehen. Der Sprecher des Rebellenbündnisses Nationale Befreiungsfront (NLF), der Failak al-Scham angehört, sprache von einer "klaren russischen Botschaft" und deutlichem Verstoß gegen die Waffenruhe. Die NLF habe als Reaktion Stellungen der syrischen Armee und russischer Kräfte mit Raketenwerfern angegriffen. Auch die staatliche türkische Agentur Anadolu berichtete von "zahlreichen" Opfern. Die Regierungen in Moskau und Ankara äußerten sich zunächst nicht. Russland unterstützt Präsident Baschar al-Assad, die Türkei Rebellen. Idlib ist die letzte Rebellenhochburg, die Syriens Regierungstruppen mit Hilfe Russlands nicht erobert haben. In der türkischen Provinz Hatay, die an Idlib grenzt, zündete am Montag ein Extremist einen Sprengsatz. "Einer von zwei Terroristen" "unwirksam gemacht" worden sei, twitterte der Provinzgouverneur.

© SZ vom 27.10.2020 / dpa
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