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Syrien:Ausweitung der Kampfzone

Vorbereitung für den Einsatz: Türkische Soldaten an der syrischen Grenze.

(Foto: Ozan Kose/AFP)

Die Türkei droht, auch in Manbidsch gegen die Kurdenmiliz YPG vorzugehen. Das Risiko einer Konfrontation mit US-Militär sei gering.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan droht der syrischen Kurdenmiliz YPG mit einer großflächigen Bekämpfung. Die Türkei werde "die Spielchen an ihrer Grenze durchkreuzen", sagte er am Mittwoch in Ankara. Damit werde die Türkei in der nordsyrischen Region Manbidsch anfangen. Im weiter westlich gelegenen Afrîn kämpfte das türkische Militär den fünften Tag in Folge auf syrischem Boden gegen die YPG und die vom Nato-Partner USA unterstützten Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF). Dabei wurden nach türkischen Angaben neben YPG- auch IS-Kämpfer getötet. Dies wiesen die SDF als Lüge zurück, der IS sei nicht in Afrîn präsent.

Erdoğan forderte internationale Nichtregierungsorganisationen auf, den Einsatz gegen die YPG zu unterstützen. "Ich habe Zweifel an der Menschlichkeit derer, die dieser Organisation helfen und die Türkei einen Angreifer nennen", sagte er. Die syrischen Kurden haben seit Beginn des Bürgerkriegs drei autonome Bezirke geschaffen, darunter Afrîn an der Grenze zur Türkei. Mit ihrer "Ölzweig"-Offensive in Afrîn hat die Türkei eine neue Front eröffnet. Manbidsch gehört zu einem größeren Gebiet, das von den SDF kontrolliert wird. Dort wollen die USA für Stabilität und Wiederaufbau sorgen.

Die Regierung in Ankara rechnet nach eigener Darstellung nicht damit, dass es während ihrer Offensive zu einer direkten Konfrontation mit dem US-Militär kommt. Dafür gebe es nur um Manbidsch ein geringes Risiko, sagte Vize-Ministerpräsident Bekir Bozdağ. Die Türkei sei zu jeder Form der Zusammenarbeit mit den USA und Russland bereit, wenn dies der Region Frieden bringe. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete am Dienstagabend, Erdoğan habe mit Russlands Präsident Wladimir Putin telefoniert. Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu sagte nach Angaben von Anadolu, an diesem Mittwoch wolle US-Präsident Donald Trump mit Erdoğan telefonieren.

Nach eigener Darstellung hat die türkische Armee in der Grenzregion mindestens 260 Kämpfer der YPG und der IS-Miliz getötet. Der führende SDF-Vertreter Redur Xelil bezeichnete dies als Lüge. "Die ganze Welt weiß, dass Daesch nicht in Afrîn präsent ist", sagte er und benutzte den arabischen Namen der radikalislamischen Organisation. Die von der Türkei genannte Zahl der getöteten SDF- und YPG-Kämpfer sei maßlos übertrieben.

Angesichts der Offensive sind nach UN-Schätzungen etwa 5000 Menschen aus Afrîn in umliegende Dörfer geflohen. Weitere 1000 Menschen seien in Viertel der syrischen Stadt Aleppo vertrieben worden, sagte UN-Sprecher Stéphane Dujarric am Dienstag. Humanitäre Helfer seien sehr besorgt über das Schicksal der etwa 324 000 Menschen in der von der YPG kontrollierten Region.