Südkorea: Südkoreas neuer Präsident zu Besuch in Nordkorea bereit

South Korea's president-elect Moon Jae-in speaks to supporters at Gwanghwamun Square in Seoul

Der Liberale Moon Jae-in ist der neue Präsident Südkoreas.

(Foto: REUTERS)
  • Am frühen Mittwoch wurde der neugewählte südkoreanische Präsident Moon Jae-in vereidigt.
  • Unmittelbar nach seinem Eid erklärte er, er könne sich eine Reise nach Pjöngjang vorstellen - "unter den richtigen Umständen".
  • Der Liberale hatte die Neuwahlen mit großem Vorsprung für sich entschieden.

Der neue südkoreanische Präsident Moon Jae-in hat unmittelbar nach seinem Amtsantritt Bereitschaft zu einem Besuch im Nachbarland Nordkorea signalisiert. Kurz nach seiner Vereidigung in Seoul sagte er am Mittwoch vor Abgeordneten der Nationalversammlung, er werde sich für Frieden einsetzen und "gegebenenfalls sofort nach Washington fliegen". Er werde zudem nach Peking und Tokio und "unter den richten Umständen" sogar nach Pjöngjang reisen.

Am frühen Mittwochmorgen hatte die südkoreanische Wahlkommission den Liberalen Moon Jae-in offiziell zum Gewinner der südkoreanischen Präsidentschaftswahl erklärt. Zuvor hatten bereits Moons größte Konkurrenten, der konservative Hong Joon-pyo und der Zentrist Ahn Cheol-soo, ihre Niederlagen bei der Wahl am Dienstag eingestanden. Moon erhielt nach Angaben der Wahlkommission nach Auszählung aller Stimmen 41 Prozent der Stimmen und hatte einen großen Vorsprung zu Hong, der 24 Prozent erhielt und damit auf dem zweiten Platz landete.

Vorige Präsidentin wegen Korruptionsskandals des Amtes enthoben

Die Neuwahlen in Südkorea waren notwendig geworden, nachdem Staatschefin Park Geun-hye wegen eines Korruptionsskandals ihres Amtes enthoben worden war. Beobachter hatten wegen der Affäre mit einer Abstrafung der konservativen Regierungspartei bei der Wahl gerechnet.

Der Wahlsieg Moons könnte nun eine Kursänderung Seouls sowohl gegenüber Nordkorea als auch den USA zur Folge haben. Moon befürwortet einen Dialog mit Pjöngjang und will eine größere Unabhängigkeit von den USA, die mit Zehntausenden in Südkorea stationierten Soldaten zu den engsten Verbündeten des Landes zählen. Kritiker werfen Moon einen zu zurückhaltenden Kurs gegenüber Pjöngjang vor.

Normalerweise hätte Moon noch etwas Zeit bis zum Amtsantritt. Üblicherweise gibt es eine zweimonatige Übergangszeit. Diese entfällt diesmal jedoch, da es sich um eine vorgezogene Wahl handelt. Die Amtszeit von Präsidentin Park Geun-hye wäre offiziell erst 2018 abgelaufen - die Korruptionsaffäre beendete ihre Präsidentschaft jedoch vorzeitig.

Moon, der das Kind von Flüchtlingen aus Nordkorea ist, war Stabschef unter dem letzten liberalen Präsidenten Roh Moo-hyun, der sich ebenfalls für engere Bindungen zu den Nachbarn im Norden aussprach. Der neue Präsident wurde für eine fünfjährige Amtszeit gewählt.

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