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Sudan:Reine Schikane

Die USA wollen diplomatische Beziehungen zu Israel erzwingen.

Von Anna Reuß

Es ist ein klarer Erpressungsversuch der USA: Die amerikanische Regierung verlangt von Sudan, diplomatische Beziehungen zu Israel aufzunehmen, andernfalls werde Khartum nicht von der Liste der staatlichen Terrorunterstützer gestrichen. Aus Sicht der Sudanesen ist das reine Schikane. Seit das Volk seinen Diktator Omar al-Baschir vergangenes Jahr gestürzt hat, ringt es mit dem Militär um die ihm gebührende Macht. Die lebendige Zivilgesellschaft kämpft dafür, dass das Land eine demokratische Zukunft hat.

Die Bedingung der Amerikaner an den afrikanischen Staat, mit Israel bilaterale Beziehungen aufzunehmen, trifft viele Sudanesen in ihrem Selbstverständnis. Das kann man legitim oder falsch finden, doch es ist nicht die Aufgabe der Vereinigten Staaten, diese Haltung mit Daumenschrauben aufzubrechen. Offensichtlich versucht die Administration des wahlkämpfenden Präsidenten Donald Trump so, ihren außenpolitischen Erfolg mit dem Friedensschluss zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Bahrain noch zu toppen.

Allerdings torpediert Amerika damit bisherige Errungenschaften in Sudans schwierigem und fragilem Demokratisierungsprozess. Ohne Unterstützung werden der Regierung wichtige Wirtschaftsreformen nicht gelingen. Bleiben Investitionen und Kredite weiterhin aus, könnte das, was der Westen vergangenes Jahr noch als historische Chance und Sieg der Demokratie feierte, bald wieder einem kleptokratischen, repressiven Regime zum Opfer fallen.

© SZ vom 02.10.2020
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