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Sudan:Herrscher in Bedrängnis

Sudanese demonstrators chant slogans as they stand on a torn billboard during a protest rally demanding Sudanese President Omar Al-Bashir to step down, outside Defence Ministry in Khartoum

Protestierende vor dem Verteidigungsministerium in Khartum.

(Foto: Stringer/Reuters)

Tausende Demonstranten im Sudan fordern Rücktritt von Präsident al-Baschir, der das Land seit 30 Jahren regiert.

Die Massenproteste gegen den sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir halten an. Bei Zusammenstößen von Demonstranten und Sicherheitskräften sollen Medienberichten zufolge seit dem Wochenende mindestens 21 Menschen ums Leben gekommen sein, darunter mehrere Soldaten. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen sollen Sicherheitskräfte scharfe Munition und Tränengas eingesetzt haben. Mit einem Sitzstreik vor dem Hauptquartier der Armee wollen die Demonstranten die Streitkräfte dazu bringen, ihre Unterstützung für das Regime des 75 Jahre alten al-Baschir aufzugeben.

Sie fordern den Rücktritt des Machthabers, der 1989 durch einen Putsch an die Macht kam. Kurz darauf ließ er Hunderte politische Gegner verhaften, verbot Gewerkschaften und politische Parteien und brachte die Presse zum Schweigen. Er wurde unterstützt von der sudanesischen Muslimbruderschaft. Zusammen begannen sie, das Land zu islamisieren.

Kampflos will sich al-Baschir dem Druck der Straße nicht beugen

Was im Dezember als eine spontane Protestaktion begonnen hat, weitete sich schnell in organisierte Demonstrationen in mindestens 35 Städten aus, bei denen Oppositionsführer im ganzen Land den Rücktritt von al-Baschir forderten. Dieser lehnte dies bislang allerdings ab, mit der Begründung, die Wahlen im kommenden Jahr abwarten zu wollen. Im Februar rief er den Ausnahmezustand aus und ernannte eine neue Regierung.

Der sudanesische Politikwissenschaftler und frühere Diplomat Abdelwahab El-Affendi geht davon aus, dass im Sudan ein friedlicher und geordneter Übergang nach den Protesten gelingen kann. Die Mehrheit der Menschen wünsche sich ein "demokratisches und integratives System". Das Land brauche allerdings einen geordneten Übergang zu einem vollständig demokratischen System. Das sei jedoch besonders schwierig, da viele, die jetzt an der Spitze des Staates sind, schwere Verbrechen begangen haben. Das Militär sei gespalten in der Frage, wie es zu al-Baschir steht: Während die Führung hinter ihm stehe, gebe es auch Abtrünnige in den Reihen der Armee. Wie sich die Proteste entwickeln, werde davon abhängen, ob es die politische Elite um den Präsidenten auf eine Eskalation der Gewalt ohne politische Lösungen ankommen lasse.

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