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Zweiter Wahlgang:Die Grünen-Hochburg Stuttgart bekommt einen CDU-Oberbürgermeister

Frank Nopper - Kandidat für die OB Wahl in Stuttgart

Im zweiten Wahlgang eindeutig Erster: Frank Nopper (CDU) wird der neue Oberbürgermeister von Stuttgart. Die Landeshauptstadt galt bisher als Hochburg der Grünen.

(Foto: Tom Weller/dpa)

Frank Nopper folgt nach einem ungewöhnlichen Wahlkampf dem Grünen Fritz Kuhn. Dessen Partei hatte sich frühzeitig aus der Konkurrenz verabschiedet.

Von Claudia Henzler, Stuttgart

Wie erwartet und doch noch immer überraschend ist am Sonntag der zweite Wahlgang zur Entscheidung über den künftigen Oberbürgermeister in Stuttgart ausgegangen. Der 59-jährige CDU-Kandidat Frank Nopper hat sich mit 42,3 Prozent knapp durchgesetzt in einer Stadt, die als Hochburg der Grünen gilt und in der vor acht Jahren Fritz Kuhn zum ersten grünen Oberhaupt einer Landeshauptstadt gewählt worden war.

Zu erwarten war das Ergebnis lediglich wegen der ungewöhnlichen Vorgänge, die sich in den vergangenen Wochen in Baden-Württembergs größter Stadt abgespielt haben. Denn dass Nopper im ersten Wahlgang mit 32 Prozent klar vorne lag, während seine grüne Konkurrentin Veronika Kienzle nur auf 17 Prozent kam, war eine Überraschung. Noch überraschender kam allerdings, dass die grüne Kandidatin danach ihren Rückzug erklärte und den Dritt- und Viertplatzierten das Feld und die Stimmen aus dem ökosozialen Milieu überließ, ohne aber deren Wahl zu empfehlen.

Im Stuttgarter Gemeinderat hatte bei den Christdemokraten kaum jemand geglaubt, das Rathaus zurückholen zu können.

In der CDU reibt man sich noch immer die Augen. Anfang des Jahres hatte in der Partei, die im Stuttgarter Gemeinderat gerade mal zwölf von 60 Mitgliedern stellt, kaum jemand daran geglaubt, dass es einem CDU-Bewerber gelingen könnte, das Rathaus zurückzuholen. Andernfalls hätte die Partei vielleicht ein größeres Kaliber anwerben können als den Oberbürgermeister von Backnang, einer Stadt mit 38 000 Einwohnern im Stuttgarter Umland.

Noppers relative Unbekanntheit hätte ein Makel sein können, wenn es den Grünen gelungen wäre, einen ähnlich prominenten Bewerber ins Rennen zu schicken wie vor acht Jahren. Diesmal versuchten es die Grünen jedoch mit einer verdienten Kommunalpolitikerin, die Integrität ausstrahlte, aber wenig Führungserfahrung vorweisen konnte.

Noppers Sieg lässt sich wohl damit erklären, dass er im breiten Kandidatenfeld die größte Erfahrung mitbrachte. Einem ausgebildeten Bankkaufmann mit Jurastudium, der seit 18 Jahren in einem Rathaus sitzt - und mag es auch deutlich kleiner sein als das in Stuttgart -, trauen viele noch am ehesten zu, eine Verwaltung mit 15 000 Mitarbeitern zu führen. Da waren am Ende sogar einige aus dem grünen Milieu bereit, ihre Stimme dem CDU-Mann zu geben. In einer ersten Stellungnahme zeigte sich Nopper am Sonntag demütig: Er werde alles daransetzen, "das Vertrauen auch all derer zu gewinnen, für die ich dieses Mal nicht die erste Wahl war". Er sprach von einer "Stunde des Aufbruchs". Stuttgart solle nicht länger unter seinen Möglichkeiten bleiben und "wieder mehr leuchten".

Auch der Außenseiter hat außergewöhnlich gut abgeschnitten, und er ist erst 30 Jahre alt.

Zu den Besonderheiten dieser Wahl zählt auch, wie gut der Außenseiter Marian Schreier abgeschnitten hat, der bei der Hauptwahl auf 15 Prozent kam. Nach dem Ausscheiden von Veronika Kienzle schaffte er es nun auf 36,9 Prozent. Der 30-jährige Bürgermeister von Tengen, eines 4600-Einwohner-Städtchens an der Grenze zur Schweiz, hatte sich der SPD als Kandidat angedient und war dann gegen den Willen seiner Partei und in Konkurrenz zum SPD-Bewerber angetreten. Unterstützt von einer Schweizer Kommunikationsagentur setzte er im Wahlkampf stark auf digitale Netzwerke, vor allem aber auf populistische Übertreibungen.

Bei den Grünen waren zunächst noch wenige bereit, öffentlich über den frühen Rückzug ihrer Bewerberin zu sprechen. Die, die sprechen, verteidigen Kienzle und sagen, sie sei die richtige Kandidatin gewesen. Verantwortlich für ihr Scheitern seien die zahlreichen Konkurrenten aus dem linken und ökologischen Lager - möglicherweise auch Vorurteile über Führungsqualitäten, mit denen sich ein männlicher Kandidat nicht hätte auseinandersetzen müssen.

© SZ/cat
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