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Stuttgart:Der Minister irrt

Warum die Krawalle sehr wohl etwas mit Corona zu tun haben.

Von Claudia Henzler

Nach Ansicht von Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl haben die Ausschreitungen, die sich in der Nacht auf den 21. Juni in Stuttgart ereignet haben, nichts mit den Einschränkungen des öffentlichen Lebens durch Corona zu tun. Da irrt er sich.

Strobl begründet seine These mit der Erkenntnis, dass gut 70 Prozent der bisher ermittelten 93 Tatverdächtigen schon einmal polizeilich in Erscheinung getreten sind, bevor Clubs und Bars geschlossen wurden. Das reicht jedoch nicht als Erklärung, warum es in den vergangenen Monaten bei Feiern unter freiem Himmel erst in Stuttgart, dann in Frankfurt und in München zu Ausschreitungen kam. Denn die Ermittlungen haben auch bestätigt, dass die Angriffe auf die Polizei, die Sachbeschädigungen und die Diebstähle in einzelnen Geschäften nicht geplant, sondern ganz spontan begangen wurden.

Einleuchtend bleibt, was erfahrene Polizisten bereits nach der Krawallnacht sagten: Wenn viele alkoholisierte junge Männer zusammenkommen, ist Gewalt nicht ungewöhnlich. Und wenn ein paar potenzielle Gewalttäter auf einige Mitläufer und ein Publikum treffen, vor dem sie sich produzieren können, kann die Lage eskalieren. Da sich mangels Alternativen damals besonders viele zum Feiern im Schlossgarten trafen, hat Corona dabei durchaus eine Rolle gespielt.

© SZ vom 23.09.2020
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