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Spanien:In den Sand gesetzt

The coronavirus disease (COVID-19) outbreak in Teruel

Parkplatz in der Wüste: In den letzten Wochen war der kleine Flughafen von Teruel Ziel der größten Airlines der Welt.

(Foto: Juan Medina/Reuters)

In einer Einöde liegt Europas größter Flug­zeug­park­platz.

Das Städtchen Teruel liegt in der aragonesischen Hochebene in einer menschenarmen Wüstenei, durch die kaum ein Spanier jemals kommt, geschweige denn Touristen. Arbeitsplätze gibt es kaum, die Turolenses, wie die Einwohner heißen, fühlen sich vergessen. Deshalb gründete sich 2019 sogar ein Wählerbündnis mit dem Namen "Teruel existiert", das einen Abgeordneten ins Parlament nach Madrid brachte. Doch seit kurzem ist die 35 000-Einwohner-Stadt zurück auf der Landkarte, als Symbol dafür, dass die Corona-Krise nicht nur Verlierer kennt.

In den letzten Wochen war der kleine Flughafen von Teruel Ziel der größten Airlines der Welt. Maschinen von Air France, Lufthansa, KLM und anderen schwebten in der ockerfarbenen Hochebene ein, um sich hier sozusagen in Quarantäne zu begeben. Teruel beherbergt den größten Flugzeugparkplatz Europas, und in der Krise wird er genutzt wie nie, bringt Arbeit und Geld. Fast hundert Maschinen stehen schon hier, darunter neun Airbus A380, das größte Verkehrsflugzeug der Welt. In den nächsten Wochen sollen viele weitere hinzukommen, man musste den Platz erweitern, die 340 Hektar Parkraum sind voll. Wir werden bald ein Schild "completo" draußen hinhängen müssen, scherzt Pedro Sáez, Chef der Betreibergesellschaft, in einer Pressemitteilung.

Teruel bietet Hochlandklima auf 1050 Metern, 250 Sonnentage im Jahr und null Stau in der Luft, denn Passagiere werden hier niemals abgefertigt. Und es ist viel billiger als anderswo. Die Parkgebühren liegen zwischen 300 und 2000 Euro am Tag, berichtet die Tageszeitung ABC, und damit unter der Konkurrenz. Acht Millionen Euro im Jahr waren damit bisher zu verdienen, doch 2020 werde eine Steigerung um 24 Prozent erwartet. 150 Leute arbeiten hier, bei vielen konnten die Kündigungen rückgängig gemacht werden, die zu Beginn der Krise ausgesprochen worden waren. Sobald Corona es zulasse, soll die Kapazität ausgebaut werden, freut sich Flughafenchef Alejandro Ibrahim. 400 Arbeitsplätze sind dann angeblich möglich.

Eigentlich kennt man Teruel in Spanien als Schauplatz einer mörderischen Schlacht im Bürgerkrieg im Winter 1937/38. Allerdings hat die Stadt dem Krieg auch das Flugfeld zu verdanken, aus dem 2007 der Airport wurde. Im Immobilienboom, als jede Provinzstadt dachte, sie brauche einen Airport, wurde Teruel belächelt für seinen "Flughafen ohne Passagiere". Jetzt zahlt sich das Konzept aus. Die Flieger werden hier konserviert, einige allerdings auch zerlegt - und das dürfte gerade die unrentablen Großraumflugzeuge vom Typ A380 treffen. Einige könnten nach Teruel ihre letzte Reise angetreten haben, twittern Planespotter. Und China Daily unkt, Teruel sei in Wahrheit Europas größter Flugzeugfriedhof.

Doch vielleicht wird Teruel den Flugplatz ja noch für andere Zwecke brauchen. Jahrhundertelang war Zentralspanien Schauplatz massiver Landflucht. Spaniens Städte gehören heute zu den teuersten, lautesten und engsten Europas, doch seit dem Lockdown haben viele das urbane Leben satt. Kürzlich berichtete El Pais von einem Boom der Nachfrage nach Wohnungen auf dem Land. Die sind noch billig zu haben und bieten oft tolle Ausblicke - und wenn es nur auf einen Flugzeugparkplatz ist.

© SZ vom 18.05.2020

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