bedeckt München

Spanien:Flüchtlinge der "Aquarius" kommen in Valencia an

  • Ende einer Irrfahrt: Die Flüchtlinge der Aquarius sind verteilt auf drei Schiffe nach Spanien gebracht worden.
  • Mit einem Abstand von jeweils etwa drei Stunden fuhren sie von sieben Uhr morgens an in den Hafen von Valencia ein.
  • Italien und Malta hatten sich vor mehr als einer Woche geweigert, die Aquarius anlegen zu lassen. Spanien hatte sich dann bereit erklärt, die Flüchtlinge aufzunehmen

Nach mehr als einer Woche Irrfahrt auf dem Mittelmeer kommen die Flüchtlinge des Hilfsschiffs Aquarius in Spanien an. Das erste Boot, die italienische Dattilo, dockte am frühen Sonntagmorgen gegen sieben Uhr im Hafen der Stadt Valencia an, wie katalanische Zeitung La Vanguardia auf ihrer Website berichtete. Kurz darauf gingen die ersten Menschen von Bord und wurden zunächst medizinisch untersucht.

Etwa drei Stunden später erreichte auch die Aquarius das ostspanische Valencia - das Schiff, auf dem ursprünglich alle 629 Flüchtlinge zusammengepfercht waren, die dann vor ihrer Überfahrt nach Spanien auf drei Schiffe verteilt wurden. Gegen 13 Uhr fuhr dann als letztes das italienische Marineschiff Orione mit 250 Schutzsuchenden in den Hafen von Valencia ein.

Auf der Dattilo warden 274 Migranten nach Spanien gebracht. La Vanguardia zufolge reisten auf dem Schiff unter anderen die meisten Kinder, sechs Schwangere und mehrere Menschen mit Verletzungen, die behandelt werden müssen. 106 besonders hilfsbedürftige Flüchtlinge waren noch auf der Aquarius verblieben. An Bord der des Schiffes feierten die Menschen, als die spanische Küste in Sicht kam. Im Hafen wurden sie herzlich begrüßt. Die Retter und Betreuer auf dem Schiff, das von SOS Méditerranée und "Ärzte ohne Grenzen" betrieben wird, zeigten sich erleichtert über das Ende der Odyssee.

Die Flüchtlinge an Bord der drei Schiffe waren vor etwas mehr als einer Woche bei verschiedenen Rettungsaktionen vor der libyschen Küste von der französischen Hilfsorganisation SOS Méditerranée auf der Aquarius aufgenommen worden. Italien und Malta hatten sich geweigert, das Schiff anlegen zu lassen, und damit eine neue Krise in der EU-Flüchtlingspolitik ausgelöst. Schließlich hatte sich die neue sozialistische Regierung Spaniens bereit erklärt, die Menschen ins Land zu lassen.

An Bord der Schiffe sind unter anderem elf kleine Kinder, 89 unbegleitete Minderjährige und sieben Schwangere. In Valencia stehen 2320 Helfer bereit, um die Menschen aufzunehmen, darunter 470 Dolmetscher.

Jeder Fall soll einzeln geprüft werden

Spanien werde die Geretteten wie alle anderen Migranten behandeln, sagte Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska. Jeder Fall werde einzeln geprüft.

Frankreich hat Spanien angeboten, Asylsuchende von der Aquarius aufzunehmen. Französische Behördenmitarbeiter sollen nun unter den Migranten Schutzbedürftige identifizieren. Wie viele Menschen Frankreich aufnehmen will, blieb unklar.

© SZ.de/AFP/dpa/gal

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite