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Spanien:Der König wird abserviert

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Dann trugen sie ihn fort. Die Büste von Juan Carlos muss weichen.

(Foto: Josep Lago/AFP)

In Barcelona lässt die Bürgermeisterin die Büste von Juan Carlos entfernen. Der Konflikt um Kataloniens Unabhängigkeitswunsch verschärft sich.

Von Thomas Urban, Madrid

Der spanische König Felipe VI. war eigentlich nach Barcelona gekommen, um für die Einheit Spaniens und die Monarchie zu werben. Doch dieses Vorhaben ging gründlich daneben: Denn kurz nach seiner Ankunft ließ die neue linksalternative Bürgermeisterin der Stadt, die frühere Sozialaktivistin Ada Colau, aus dem Sitzungssaal des Rathauses die Büste des früheren Königs Juan Carlos entfernen, ohne sie aber durch ein Porträt des neuen Staatsoberhauptes ersetzen zu lassen. Die konservative Presse in Madrid ereiferte sich über diese "beispiellose Provokation" vom Donnerstagabend, Ratsmitglieder der konservativen Volkspartei (PP) von Premierminister Mariano Rajoy trugen am Freitag ein Bild Felipes in den Saal, konnten es aber nicht aufhängen.

Noch beunruhigender für Felipe und Rajoy aber dürfte die Tatsache sein, dass wenige Tage vor dem Bildersturm doch noch die katalanische Einheitsliste der Befürworter einer Loslösung von Madrid zustande gekommen ist. Der liberal-konservative Regionalpräsident Artur Mas und Oriol Junqueras, Vorsitzender der oppositionellen Linksrepublikaner, die derzeit bei allen Umfragen in Katalonien führen, haben sich darauf geeinigt, für die Regionalwahlen am 27. September eine gemeinsame Liste aufzustellen. Sollte diese die Mehrheit bekommen, würden die politischen und juristischen Schritte für die staatliche Souveränität der Touristik- und Industrieregion eingeleitet. Auf der Liste kandidiert auch der Trainer des FC Bayern München, Pep Guardiola. Er belegt den letzten Platz, seine Kandidatur ist also nur symbolisch.

Ada Colau begründete die Entfernung der Büste aus dem Rathaus zunächst mit der Tatsache, dass Juan Carlos seit mehr als einem Jahr nicht mehr König sei. Dann fügte sie hinzu, dass Barcelona von seiner Tradition her republikanisch sei. Felipe VI. hat bislang noch keine öffentliche Antwort auf den immer wieder erhobenen Vorwurf gegeben, dass sein Namensvorgänger Philipp V. aus dem Haus Bourbon als spanischer König im Jahr 1714 die autonomen Rechte der Katalanen abgeschafft und einen Teil der städtischen Elite Barcelonas hat köpfen lassen. Aus diesem Grunde wird bei jedem Heimspiel des FC Barcelona, der als Hochburg der Catalanistas gilt, der Befürworter der Unabhängigkeit, in der 17. Minute eine riesige Stoffbahn mit der Jahreszahl 1714 entrollt.

Das spanische Verfassungsgericht hatte im vergangenen Jahr zum wiederholten Mal ein Referendum über die Loslösung Kataloniens von Madrid verboten. Aus diesem Grund haben mehrere Parteien in der Region diese Forderung in ihr Programm aufgenommen. Felipe erklärte dazu umständlich bei seiner Begegnung mit Mas: "Der Respekt des Gesetzes ist die Quelle der Legitimität und eine unvermeidbare Bedingung dafür, demokratisch in Frieden und Freiheit zusammenzuleben." Mas war auch im vergangenen Juni bei der feierlichen Amtseinführung Felipes in Madrid anwesend. Zur Empörung der Konservativen erklärte er dazu lächelnd, es sei ein Gebot der Höflichkeit, dem "obersten Repräsentanten der Nachbarn" Respekt zu erweisen. Rajoy sagte zu der Einheitsliste, Madrid werde alles tun, um eine einseitige Unabhängigkeitserklärung Barcelonas zu verhindern. Der spanische Regierungschef weiß damit die überwältigende Mehrheit seiner Landsleute hinter sich. In Spanien stehen im Spätherbst nationale Parlamentswahlen an, das Datum ist noch nicht festgelegt.

© SZ vom 25.07.2015

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