"Soziales Gewissen" der Sozialdemokraten SPD-Politiker Ottmar Schreiner ist tot

Er galt als einer der profiliertesten Linken der SPD und erbitterter Gegner von Schröders Agenda 2010. Ottmar Schreiner war jahrelang das soziale Gewissen der Sozialdemokraten. Nun erlag der 67-Jährige einem Krebsleiden.

Der SPD-Linke Ottmar Schreiner ist tot. Der 67-jährige Bundestagsabgeordnete starb am Samstag, wie aus Parteikreisen in seiner saarländischen Heimat zu erfahren war. Schreiner, der mehr als 30 Jahre im Bundestag saß, war ein erbitterter Gegner der Reform-Agenda 2010 des damaligen SPD-Bundeskanzlers Gerhard Schröder.

Für die einen war er ein aufrechter Kämpfer für den Sozialstaat, für die anderen ein unbeweglicher Betonlinker. An Ottmar Schreiner schieden sich nicht nur in der SPD die Geister. Einst wurde er in seiner Partei als Pragmatiker geschätzt. Doch als Bundeskanzler Gerhard Schröder seinerzeit die Agenda 2010 verkündete, ging Schreiner auf Konfrontationskurs.

32 Jahre für die SPD im Bundestag

Der Sozialpolitiker, der 1969 der SPD beitrat und 32 Jahre im Bundestag saß, war immer ein kompromissloser Gegner der Reformen des damaligen Kanzlers und SPD-Chefs Schröder, der ihn auch aus dem Amt des SPD-Bundesgeschäftsführers drängte.

"Über Jahre in einer Minderheitenposition zu stehen, ist sehr belastend. Aber ich bin ausgebildeter Fallschirmoffizier, die schmeißen nicht hin", sagte Schreiner, der in Berlin im gleichen Haus wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wohnte, einmal.

Zwölf Jahre lang stand Schreiner an der Spitze der einst mächtigen SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA). Vor einem Jahr gab er den Vorsitz ab. Der Einfluss der Organisation, in der inzwischen vor allem Personalräte aus den öffentlichen Verwaltungen den Ton angeben, hatte da schon spürbar abgenommen.

"Der Krebs ist zurück"

Seine wohl letzte große Schlacht gegen die SPD-Spitze führte Schreiner auf dem Berliner SPD-Parteitag im Dezember 2011. Der Saarländer kämpfte darum, die von der SPD mitgetragenen Reformen zur Rente zurückzudrehen. Doch dabei wollten ihm die weitaus meisten Delegierten nicht folgen.

"Der Krebs ist zurück. Ich kann aufgrund der erneuten Erkrankung diesen Wahlkampf nicht mit voller Kraft führen", hatte Schreiner seiner Partei im Januar mitgeteilt. Nun ist der 67-jährige Vater von drei Kindern gestorben.