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Sorgerecht:Vier zu sieben

Familienministerin Giffey plant eine Sorgerechtsreform. Doch schon über die Gästeliste für Beratungen gibt es Streit zwischen Müttern und Vätern.

Eigentlich hatte Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) ihren Entwurf für eine Reform des Sorge- und Umgangsrechts und des Kindesunterhaltsrechts für dieses Frühjahr angekündigt. Auch Familienministerin Franziska Giffey (SPD) hatte mehrfach betont, dass sie den Status quo für modernisierungsbedürftig hält. Bislang aber steht die geplante Novelle weiterhin aus. Für diesen Freitag jedoch hat Giffey elf Interessengruppen eingeladen, um deren Sicht auf das Vorhaben zu hören.

Doch schon die Gästeliste ist zumindest bei einem Teil der Geladenen umstritten. Die Mütterinitiative für Alleinerziehende (MIA) etwa kritisiert, es seien sieben Väter-, aber nur vier Mütterorganisationen dabei. "Wir sind etwas irritiert über die Zusammenstellung der eingeladenen Verbände und Gewichtung der verschiedenen Perspektiven", sagt die MIA-Vorsitzende Sybille Möller. Zudem fehlten Verbände, "die sich mit Trennungs- und Nachtrennungsgewalt befassen" Vor allem bei strittigen Trennungen mit Kindern spiele das aber eine "gewichtige Rolle".

Markus Witt, Sprecher der Gruppe Väteraufbruch für Kinder, hält die Gästeliste dagegen für ausgewogen und verweist darauf, dass es nicht nur die "Kategorien Väter- und Mütterorganisationen" gebe, sondern dass sich aus seiner Sicht viele der Teilnehmer für beide Eltern und die Kinder einsetzten. Das sieht MIA anders und verweist auf Verbindungen zwischen Familien- und Vätergruppen. Witt dagegen sagt: "Dieser Geschlechterkampf und das Lagerdenken bringt niemanden weiter und kennt vor allem Verlierer." Sie verbänden mit dem Treffen die Hoffnung auf "Veränderungen in Richtung eines zeitgemäßen Familienrechts". Die Diskussion nur auf Unterhalt und Wechselmodell, also die hälftige Aufteilung der Betreuung, zu verkürzen, werde dem Thema nicht gerecht. MIA dagegen will der Ministerin "die bisher vernachlässigten Folgen bereits vorangegangener Reformen für getrennte Mütter und ihre Kinder verdeutlichen". Deren "bestehende gesellschaftliche Benachteiligung und größere Abhängigkeit" dürfe durch die anstehende Reform nicht verschärft werden.

© SZ vom 26.06.2020

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