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So wie einst Martin Luther:Pegida-Thesen an der Kirchentür - was plant Lutz Bachmann als Nächstes?

Sonderausstellung im Miniatur-Wunderland

Die Pegida-Bewegung hat den wehrlosen, weil toten Martin Luther (hier ein Bild aus einer Ausstellung im Hamburger Miniatur-Winterland) jetzt sozusagen offiziell in ihre Ahnengalerie aufgenommen.

(Foto: dpa)

Erst "Wir sind das Volk" und jetzt das: Pegida-Gründer Lutz Bachmann hat Glaubenssätze seiner Bewegung an eine Kirchentür geheftet - fast wie einst Martin Luther. Darunter machen sie es nicht. Aber der nächste Coup könnte schwierig werden.

Glosse von Paul Munzinger

Am Sonntag heftete Pegida-Frontmann Lutz Bachmann ein Blatt Papier in Klarsichtfolie an die Tür der Kreuzkirche in Dresden: die sogenannten "Dresdner Thesen". Nach exklusiven SZ-Informationen soll die Anspielung auf Martin Luthers Thesenanschlag in Wittenberg im Jahre 1517 erst der Anfang gewesen sein. Im Folgenden veröffentlichen wir das Protokoll eines vertraulichen Gesprächs zwischen Bachmann und dem Leiter des Pegida-Organisations-Teams.

Bachmann: Na, super gelaufen, die Luther-Nummer, oder?

Leiter Orga-Team: Total! Wir brauchen positiv besetzte Figuren, Freiheitskämpfer, die sich dem Diktat der Political Correctness widersetzen. Wir müssen zeigen, in welcher Tradition wir stehen. Mit deinen Facebook-Bildern hast du dich da ein bisschen verrannt, Lutz. Guter Ansatz, unglückliche Ausführung, aber darüber haben wir ja schon gesprochen. "Wir sind das Volk", das ist unser Maßstab.

Bachmann: Weiß ich doch, weiß ich doch.

Leiter Orga-Team: Wobei ich schon finde, als Luther hättest du noch den Satz "Hier stehe ich, ich kann nicht anders" einbauen können. Hab' ich dir doch aufgeschrieben.

Bachmann: Ich konnte deine Schrift nicht lesen. Ich dachte, da steht "Hier stehe ich, ich kann auch anders."

Leiter Orga-Team: Egal, den Satz können wir ja vielleicht mal vor Gericht verwenden. Also, wie geht es jetzt weiter? Wir müssen nachlegen.

Bachmann: Von Martin Luther bin ich natürlich gleich auf Martin Luther King gekommen. "I have a dream", du weißt schon. Ich habe das mal durchgespielt: "Ich habe einen Traum, dass sich diese Nation eines Tages erheben wird!" Klingt eigentlich ganz gut. Aber...

Leiter Orga-Team: Ja?

Bachmann: ...ich habe die Rede dann weitergelesen und... Irgendwie passt der nicht zu uns. Mahatma Gandhi, Nelson Mandela, Muhammad Ali, die sind alle nicht so unser Stil. Galilei vielleicht, der ist ja auch so eine Art Luther, das habe ich zumindest im Spiegel gelesen. Aber auch da fehlt mir der Lokalbezug.

Leiter Orga-Team: Mit dem Lokalbezug hast du es jetzt bei Luther auch nicht so genau genommen. Der hat seine Thesen ja gar nicht in Dresden angeschlagen, sondern in Wittenberg, in Sachsen-Anhalt.

Bachmann: Ach, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, das ist doch alles eins, von den Alliierten künstlich...

Leiter Orga-Team: Wir dürfen uns jetzt nicht in Detailfragen verlieren, Lutz. Die großen Gesten, die großen Vorkämpfer der Meinungsfreiheit, das ist es, was wir brauchen!

Bachmann: Wie hieß denn der, der die Türken vor Wien geschlagen hat?

Leiter Orga-Team: Weiß auch nicht, aber das war ein Pole, glaube ich.

Bachmann: Schade. Und dieser Arminia-Typ, der die Römer aus Deutschland vertrieben hat?

Leiter Orga-Team: Du meinst Hermann, den Cherusker?

Bachmann: Genau der. Der hat doch sozusagen die Romanisierung Germaniens verhindert. Das wäre doch einer für unsere Ahnentafel.

Leiter Orga-Team: Rom, kommt da nicht unser Abendland irgendwie auch her?

Bachmann: Mmh.

Leiter Orga-Team: Okay, jetzt hab' ich's: Götz von Berlichingen. Der hat seine eiserne Faust auch nicht in der Tasche geballt, sondern mit den Bauern, mit dem Volk von damals sozusagen, gegen die da oben gekämpft, gegen die korrupten Adeligen und die Lügen-Druckerpressen. Deutscher war er auch. Und Goethe hat was über den geschrieben, mehr Abendland geht nicht!

Bachmann: Du bist ein Genie! Lutz von Berlichingen! Ich lege gleich eine Facebook-Seite an.

© sz.de/mikö/dd

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