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Sexueller Missbrauch:Demut ist nötig

Die Verfahrensfehler im Fall Pell sind tragisch.

Im Zweifel für den Angeklagten - das muss auch für den australischen Kardinal George Pell gelten. Der Ex-Finanzchef des Vatikans beteuerte stets, der ihm angelasteten sexuellen Missbrauchs-taten unschuldig zu sein. Die Beweise gegen Pell erschienen den Richtern nach all den verflossenen Jahren nun zu dünn.

Und doch hinterlässt der Freispruch von Brisbane ein ungutes Gefühl, nicht nur weil Pell sich in seiner langen Kirchenkarriere immer wieder zumindest fragwürdig verhielt, wenn es um Missbrauch ging. Es ist tragisch, dass nun bei einem Verfahren in dieser so sensiblen Materie offenbar in der Vorinstanz juristisch etwas geschlampt wurde - ob zu Pells Gunsten oder Ungunsten, ist dabei egal. Denn da noch nie ein so hoher Kirchenmann wegen sexueller Vergehen vor einem weltlichen Gericht stand, war der Prozess von besonderer Symbolik. Und jene, die, wo auch immer, kirchlichen Missbrauch erlitten, mussten so lange warten, bis die Verbrechen ans Licht und an Gerichte kamen, dass alle Prozessbeteiligten ihnen stets allerhöchste Sorgfalt schulden.

Die Erleichterung des Vatikans nun ist nachvollziehbar. Nicht aber, dass der Papst, auch wenn er Pell nicht nannte, einen Vergleich mit Jesu Verfolgung zog. Man darf nun wenigstens von George Pell die Demut erwarten, sich ganz zurückziehen.

© SZ vom 08.04.2020

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