bedeckt München 11°
vgwortpixel

Ségolène Royal:Ex-Lebensgefährtin kritisiert François Hollande

Segolene Royal defeated in French election

Ségolène Royal auf einem Foto aus dem Jahr 2011

(Foto: dpa)

Kein französischer Präsident hat sich jemals so schnell unbeliebt gemacht wie er. Es läuft einfach nicht gut für François Hollande: Euro-Krise, Arbeitslosigkeit - und jetzt auch noch eine öffentliche Rüge von Ex-Partnerin und Parteifreundin Ségolène Royal.

François Hollande ist nun ein Jahr im Amt, seine Bilanz ist bescheiden, seine Umfragewerte desaströs. Er ist unpopulär, der Verdruss der Franzosen ist groß. Nun rügt ihn auch noch seine Parteifreundin und frühere Lebensgefährtin Ségolène Royal. Bei einigen Reformen hätte es "viel schneller" gehen müssen, sagte die 2007 bei den Präsidentschaftswahlen gescheiterte sozialistische Politikerin der Zeitung Le Monde. Es gebe "das Gefühl, dass Zeit verloren wurde".

Als Beispiele nannte Royal die Homo-Ehe, die "schon im vergangenen Sommer" hätte beschlossen werden müssen, und die Dezentralisierung des Landes. "Es hätte von Anfang an mit Verordnungen regiert werden müssen", sagte die Politikerin mit Blick auf den teils langwierigen Gesetzgebungsprozess im Parlament. Die Homo-Ehe, eines der zentralen Wahlversprechen Hollandes, war Ende April nach monatelangen heftigen Debatten im Parlament endgültig verabschiedet worden. Nun wird die Reform noch vom Verfassungsrat geprüft, bevor sie in Kraft treten kann.

"Nicht auf der Höhe"

Bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit seien die bisher beschlossenen Reformen "nicht auf der Höhe" der Anforderungen, kritisierte Royal. Zwar seien die sogenannten Zukunftsarbeitsplätze für benachteiligte Jugendliche und die Generationenverträge für junge Arbeitnehmer "sehr gut". "Aber alle wissen, dass das nicht ausreicht. Wir brauchen dringend einen umfassenden Kampf für die Beschäftigung."

Angesichts von Wirtschaftskrise und Rekordarbeitslosigkeit ist Hollande in den Umfragen abgestürzt, nur noch etwa ein Viertel der Franzosen ist mit seiner Amtsführung zufrieden. Ein Jahr nach seiner Wahl ist er der Präsident mit den niedrigsten Zustimmungswerten in der Geschichte von Frankreichs Fünfter Republik. Am Donnerstag - einen Tag nach dem ersten Jahrestag seines Amtsantritts am 15. Mai 2012 - will er bei einer großen Pressekonferenz für seine Politik werben.