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Seenotrettung im Mittelmeer:"Sea-Watch 4" sucht Hafen für 200 Geflüchtete

A rescue team with migrants heads to the Sea-Watch 4 ship on board of rubber dinghy, at sea off the coast of Libya

Ein Team der "Sea-Watch 4" bei einer Rettungsaktion: Seit 15. August ist das Schiff im Mittelmeer unterwegs.

(Foto: via Reuters)

Vor Libyen werden 22 Ertrunkene geborgen. Das Thema Seenotrettung sei dringend, appellieren Helfer in Deutschland. In Italien schlägt den Geflüchteten Abwehr entgegen.

Das Rettungsschiff Sea-Watch 4 hat bei seiner ersten Fahrt im Mittelmeer in kurzer Zeit mehr als 200 Geflüchtete vor Libyen an Bord genommen. "Wir haben einen sicheren Hafen für die Menschen in Italien und Malta angefragt", sagte Sea-Watch-Sprecherin Mattea Weihe. Noch gebe es keine Rückmeldung. Die Sea-Watch 4 hatte am 15. August den Hafen von Burriana in Spanien für ihre erste Mission verlassen.

Unterdessen bargen libysche Helfer von der Organisation Roter Halbmond 22 Leichen vor der Küste des nordafrikanischen Bürgerkriegslandes. "Ein weiterer schrecklicher Anblick", kommentierte die Sprecherin der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Safa Msehli, auf Twitter. Im zentralen Mittelmeer seien damit in diesem Jahr mehr als 350 Menschen gestorben. Msehli machte mangelnde europäische Unterstützung bei der Suche und Rettung sowie Regularien, die den Hilfsorganisationen auferlegt wurden, für Tote mitverantwortlich.

Die Crew der Sea-Watch 4 holte am Samstag sieben Menschen aus einem in Seenot geratenen Boot, wie die Organisation berichtete. Tags darauf habe die Mannschaft in den internationalen Gewässern vor Libyen ein überfülltes Schlauchboot gesichtet und 97 Insassen aufgenommen. Am Montag seien etwa 100 Menschen an Bord gebracht worden. "Viele von ihnen waren zum Zeitpunkt ihrer Rettung schwach und orientierungslos und zeigten Symptome starker Belastung durch Benzindämpfe", schrieben die Organisatoren, zu denen der Verbund Ärzte ohne Grenzen gehört. "Diese schnelle Rettung zeigt, wie dringlich das Thema der Seenotrettung im zentralen Mittelmeer ist", urteilte Thies Gundlach, Vorstand des Betreiber-Bündnisses United4Rescue.

In Italien gingen die Zahlen der in Booten ankommenden Geflüchteten in diesem Sommer stark in die Höhe. Die Menschen fahren sowohl von Libyen als auch von Tunesien los. Viele Tunesier verlassen ihr Land, weil es unter einer Wirtschaftskrise leidet.

Die Regierungen in Italien und Malta stellten den Seenotrettern zuletzt oft hohe Hürden in den Weg. Zugleich wiesen sie - häufig nach längerem Warten - sichere Häfen zu. Mehrere private Rettungsschiffe liegen jedoch derzeit in Häfen fest, weil die italienischen Behörden sie wegen angeblicher Sicherheitsmängel gestoppt haben. In Süditalien sorgen die steigenden Zahlen zunehmend für Widerstand in den Ankunftsorten. Aktuell läuft ein Tauziehen zwischen dem konservativen sizilianischen Regionalpräsidenten Nello Musumeci, der Asylsuchende von der Insel ausweisen will, und der Mitte-Links-Regierung in Rom. Dabei spielt das Argument eines möglichen Corona-Risikos durch Nauankömmlinge eine Rolle.

© SZ.de/dpa/jsa

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