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Schottland:Der Traum lebt

Erfolgreiche Wahl: SNP-Chefin Nicola Sturgeon.

(Foto: J. Barlow/dpa)

Regierungschefin Nicola Sturgeon will die Unabhängigkeit vom Königreich.

Nicola Sturgeon will weiter für ihren Traum der Unabhängigkeit kämpfen, nach dieser Wahl erst recht. Und so sprach die Chefin der schottischen Nationalpartei (SNP) am frühen Freitagmorgen von einer "außergewöhnlich guten Nacht", auch wenn das britische Gesamtergebnis "ziemlich düster" sei. Für Sturgeon, eine entschiedene Brexit-Gegnerin, zeigt die Wahl, welch "unterschiedliche Wege" Schottland und der Rest des Vereinigten Königreichs eingeschlagen hätten. Die schottische Ministerpräsidentin will jedenfalls ihr Versprechen einlösen und ein zweites Referendum über Schottlands Unabhängigkeit durchsetzen. Geht es nach ihr, soll das Land seinen eigenen Weg gehen: raus aus dem Vereinigten Königreich und zurück in die EU.

Sturgeon sieht sich dafür nach der Parlamentswahl gestärkt. 13 Sitze hat die SNP im britischen Unterhaus hinzugewonnen, insgesamt 48 sind es jetzt. "Ich tue nicht so, als ob jeder SNP-Wähler die schottische Unabhängigkeit unterstützen würde", sagte Sturgeon einschränkend. Dennoch sehe sie das Votum als eine "starke Bestätigung, dass Schottland eine Wahl über die eigene Zukunft haben sollte". Mit dieser Haltung steuert die schottische Ministerpräsidentin auf einen Konflikt zu, der die ohnehin fragile Einheit des Vereinigten Königreichs beenden könnte.

In Downing Street ist Boris Johnson jedenfalls alarmiert. Der Premierminister hat die Forderung nach einem Unabhängigkeitsreferendum im Wahlkampf strikt zurückgewiesen. Und damit nicht genug: Auch nach der schottischen Regionalwahl im Jahr 2021 werde er seine Meinung nicht ändern, teilte Johnson mit. Sein Wort ist entscheidend, denn für eine weitere schottische Volksabstimmung bräuchte es die Zustimmung aus London. Sturgeon will sich davon nicht beirren lassen und einen formellen Antrag für ein Referendum stellen.

Bei der ersten Volksabstimmung im Jahr 2014 sprachen sich 55 Prozent gegen die Unabhängigkeit Schottlands aus. Das war allerdings noch vor dem Brexit-Referendum, bei dem die Mehrheit der Schotten für einen Verbleib Großbritanniens in der EU stimmten. Kein Wunder also, dass die SNP mit ihrem Kurs den Nerv der Mehrheit in Schottland traf. Die dortigen Tories hatten zwar gehofft, mit ihrer klaren Anti-Unabhängigkeitskampagne die Unbeliebtheit Johnsons in Schottland etwas ausgleichen zu können, aber daraus wurde nichts. Sie verloren sieben Sitze.

In Nordirland, wo sich die Mehrheit beim Brexit-Referendum für remain ausgesprochen hatte, wurde die DUP dafür abgestraft, weil sie die Tories in den vergangenen zwei Jahren weitgehend unterstützte. Zwei Sitze hat die unionistische Partei in Westminster verloren; einen davon muss DUP-Vizechef Nigel Dodds abgeben. Viele Nordiren fühlten sich offenbar betrogen, weil die Partei sich lange für den Brexit-Kurs der Tories einsetzte. Die DUP wiederum fühlte sich von Johnson verraten, als klar wurde, dass Nordirland in seinem Brexit-Deal mit Brüssel anders behandelt wird als der Rest des Vereinigten Königreichs. Am Ende stellte sie sich gegen den Austrittsvertrag und versagte dem Premier die Unterstützung.

Die katholische, republikanische Sinn Féin nimmt ihre Sitze im Unterhaus aus Protest gegen die britische Vorherrschaft traditionell nicht ein - es bleibt bei sieben. Wieder zurück ins Unterhaus kehrt die neutrale und EU-freundliche Alliance Party mit einem Sitz. Die nordirischen Sozialdemokraten, die ebenfalls gegen den Brexit sind, konnten zwei Sitze gewinnen.

In Wales, wo die Bevölkerung beim Brexit-Referendum knapp für leave gestimmt hatte, gewannen die Tories sechs neue Wahlkreise. Labour verlor die gleiche Zahl, bleibt aber mit Abstand stärkste Kraft in Wales. Die Regionalpartei Plaid Cymru ist weiter mit vier Sitzen im Unterhaus vertreten.