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USA: Sarah Palin und die Republikaner:"Run, Sarah, Run"

Um Sarah Palin ist es verdächtig ruhig geworden. Doch mit einer neuen Webseite und gewohnt kämpferischen Reden bringt sie sich als Präsidentschaftskandidatin in Stellung. Warum die Frontfrau der Tea-Party-Bewegung trotzdem kaum Chancen hat.

"Ich bin heute sehr stolz auf mich", verkündet Donald Trump und feiert sich im Blitzlichtgewitter. Kurz zuvor hatte er erfahren, dass Präsident Obama seine Geburtsurkunde veröffentlicht hat. Damit sollen die Zweifel einiger rechter Republikaner mit Hang zu Verschwörungstheorien am Geburtsort des US-Präsidenten endlich ausgeräumt werden. Trump, der Immobilienmogul mit eigener TV-Show, hat sich als Sprachrohr für diese "birther" in die Schlagzeilen gedrängt - und liebäugelt öffentlich mit einer Kandidatur als Präsidentschaftskandidat für die Republikaner.

Sarah Palin delivers a speech to a Tax Day rally at the State Capitol in Madison, Wisconsin

"Mr. President, das Spiel beginnt": Sarah Palin vor Anhängern der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung in Madison, Wisconsin, am 16. April.

(Foto: REUTERS)

Aber wo ist Sarah Palin, die Vorkämpferin der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung? Um die Frau, die seit ihrer Berufung zur Vizepräsidentschaftskandidatin im Wahlkampf 2008 die meisten Schlagzeilen unter allen Republikanern für sich verbuchen konnte, ist es verdächtig ruhig geworden. Zuletzt hörten die Amerikaner von Palin vor allem, wenn es um das Enthüllungsbuch ging, dass der Ex-Verlobte ihrer Tochter Bristol für den Herbst angekündigt hatte. Hat Sarah Palin ihre Ambitionen für eine Kandidatur etwa aufgegeben?

Vermutlich nicht. Zumindest sprechen einige Indizien dagegen: Ende 2010 veröffentlichte sie das Buch America by Heart, indem sie wie Obama vor seiner erfolgreichen Kandidatur ihre Werte aufgeschrieben hat. Mitte März reiste die frühere Gouverneurin von Alaska dann mit einem großen Davidstern um den Hals nach Israel. Eine fast obligatorische Warmlaufübung für ambitionierte Kandidaten, die Palin besonders gut zu Gesicht steht, da ihre fehlende außenpolitische Kompetenz gerne als ihre größte Schwäche gilt, seit sie Nordkorea in einem Interview versehentlich zu einem Verbündeten der Amerikaner machte.

Und nun richtete die 47-Jährige eine neue Webseite ein (www.sarahpac.com), auf der ihre Anhänger "Tatsachen" über Sarah Palin nachlesen und mit nur wenigen Klicks für ihre politische Agenda spenden können. Dort ist auch ein Video von einem Auftritt in Madison, Wisconsin, zu sehen, bei dem sie sich kürzlich vor Anhängern der Tea-Party-Bewegung in die Debatte um die Sanierung des US-Haushalts einschaltete. "Herr Präsident, das Spiel beginnt", verkündete sie in silberner Regenjacke.

"Ich denke, es ist noch zu früh, um eine Kandidatur zu erklären", sagte Palin kürzlich einem US-Fernsehsender. Sie kann es sich leisten, auf den richtigen Zeitpunkt zu warten. Von den möglichen republikanischen Bewerbern ist sie die bekannteste und braucht nicht wie manch einer ihrer Konkurrenten die neun Monate bis zu den ersten Vorwahlen, um sich ins Gespräch zu bringen.

Als Kommentatorin bei dem von Republikanern geschätzten Fernsehsender Fox News hat Palin mit ihren Tiraden gegen Obama eine treue Fangemeinde an sich gebunden. Anhänger der Tea-Party-Bewegung widmen ihr sogar Hymnen im Internet und versuchen sie mit "Run, Sarah, Run"-Rufen zu einer Kandidatur zu bewegen. Diese Begeisterung verdankt Palin vor allem ihrer radikalen und populistischen Rhetorik - nach dem Motto: "Nicht aufgeben, nachladen!"

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