Sambia:Freiheitsheld Kaunda gestorben

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Kämpfer für die Unabhängigkeit: Sambias Präsident Kenneth Kaunda im Jahr 1978.

(Foto: -/AFP)

Der sambische Gründerpräsident war einer der einflussreichsten Staatsmänner Afrikas. Er wurde 97 Jahre alt.

Von dpa, Lusaka

Der Gründerpräsident von Sambia, Kenneth Kaunda, ist im Alter von 97 Jahren in einem Militärkrankenhaus in der Hauptstadt Lusaka an einer Lungenentzündung gestorben, wie seine Söhne mitteilten. Inmitten der dritten Corona-Welle auf dem afrikanischen Kontinent war er dort erst vor wenigen Tagen eingeliefert worden. Unter den afrikanischen Unabhängigkeitshelden war Kaunda lange einer der letzten Überlebenden gewesen. Seine Stimme hatte Gewicht auf dem Kontinent. Er galt als politische Legende. Noch Anfang September 2019 hatte er warnend seine Stimme erhoben, als nach gewalttätigen Übergriffen in Südafrika gegen Migranten vom afrikanischen Kontinent nun in seinem eigenen Land Gewalt gegen südafrikanische Einrichtungen drohte.

"Afrika ist unser eigenes Mutterland", sagte er - und stimmte trotz bereits brüchiger Stimme ein Lied an. Der Sambier liebte Musik und griff auch gerne öffentlich zur Gitarre. Zu seinem 97. Geburtstag am 28. April ließ er sich singend vor der Garage ablichten. Beim 90. Geburtstag von Südafrikas erstem schwarzen Präsidenten Nelson Mandela beeindruckte Kaunda 2008, als er mit Tränen der Rührung ein emotionales "Happy Birthday" sang.

Wegen seines Engagements für Menschlichkeit und Frieden war der Vegetarier und Antialkoholiker in Afrika hoch geachtet. Als erster Präsident des nachkolonialen Sambia wollte der Sohn eines Missionars seine Vision vom "sambischen Humanismus" umsetzen und afrikanische Traditionen mit christlichen und sozialistischen Werten vereinen. Er wurde sogar der erste Staatsmann Afrikas, der nach einer Wahlniederlage freiwillig die Macht abgab. Seine politische Bilanz als Staatschef (1964 bis 1991) gilt aber nicht zuletzt dank massiver staatlicher Eingriffe in die Wirtschaft als eher durchwachsen.

Kaunda ließ mit Gewalt soziale und politische Unruhen ersticken, Oppositionsparteien wurden schließlich verboten. Ähnlich wie Robert Mugabe im benachbarten Simbabwe förderte der praktizierende Christ Kaunda zudem einen gewissen Personenkult. Seinem Nachfolger Frederick Chiluba hinterließ er später einen hoch verschuldeten Staatsapparat. Kaunda war ein Lehrer, der sich wie viele afrikanische Intellektuelle seiner Zeit dem Kampf gegen den Kolonialismus verschrieben hatte - wofür er dann im damaligen, britisch regierten Nord-Rhodesien für mehrere Monate inhaftiert wurde. Nach dem Sieg der Vereinten Nationalen Unabhängigkeitspartei bei den Wahlen 1964 wurde Kaunda Präsident und setzte die Unabhängigkeit des heutigen Sambia durch.

Er spielte auch beim Kampf gegen die Apartheid in Südafrika eine wichtige Rolle. "Wir stehen angesichts des von Ihnen zu Lebzeiten gemachten Beitrags zur Befreiung unseres Landes und der Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrikas (SADC) in Ihrer Schuld", schrieb ihm Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa im April 2019 zu Kaundas 95. Geburtstag. Kaunda sei eine Inspiration auch für heutige Generationen. Nach seinem Rückzug aus der Politik widmete sich Kaunda seiner 2003 gegründeten Stiftung für Aids-Waisen und war auch für die UN und die Afrikanische Union tätig.

© SZ/nien
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