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Russische Rocker:Wie Berlin die "Nachtwölfe" empfangen sollte

Nationalisten mit großrussischen Träumen: Die "Night Wolves" um ihren Anführer Alexander Zaldostanow.

(Foto: AFP)

Sollte es egal sein, wenn die Putin-treuen "Nachtwölfe" nach Berlin kommen? Nicht ganz. Die Zivilgesellschaft muss sich wehren - mit Plakaten, Protesten und Pfeifkonzerten.

Kommentar von Julian Hans, Moskau

Wer hat in der Vergangenheit etwas mitbekommen von den Touren, die Putins Rockerdarsteller namens "Nachtwölfe" zum 9. Mai nach Berlin machten? Kaum jemand. Sollte es deshalb einerlei sein, dass sie sich dieses Jahr wieder auf den Weg machten? Nicht ganz. Nur die Mittel, um darauf zu reagieren, könnten klüger gewählt werden.

Die Nachtwölfe sind widerliche Typen: Nationalisten mit großrussischen Träumen, Feinde der freien Gesellschaft, Unterstützer der Krim-Annexion und des Krieges im Donbass. Als Teil der vom Kreml protegierten rechten Sammelbewegung "Antimaidan" haben sie zur Gewalt gegen Andersdenkende aufgerufen und Behinderte verhöhnt, indem sie Maidan-Demonstranten als "Mai-Downies" verunglimpften.

Von solchen Leuten will keiner Besuch bekommen, zumal wenn sie einen Gedenktag wie den 9. Mai 1945 für ihre Zwecke missbrauchen.

Plakate, Proteste, Pfeifkonzerte

Demokratische Rechtsstaaten kennen zwei Mittel, sich zur Wehr zu setzen: Kriminelle sind ein Fall für Polizei und Justiz. Gegen rechtsradikale Spinner aber muss sich eine Zivilgesellschaft selbst wehren - mit Plakaten, Protesten, Pfeifkonzerten, was auch immer.

Wer vom Staat erwartet, dass er den unerwünschten Gästen mit behördlicher Gängelei zu Leibe rückt, drängt ihn in eine Rolle, die er im Herkunftsland der Nachtwölfe hat. Die Mühen der Zivilgesellschaft kann einem kein demokratischer Staat ersparen.

© SZ vom 30.04.2015/fued
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