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Roger Stone:40 Monate Haft für Trump-Vertrauten

US-Gericht verurteilt Stone wegen Vergehen in der Russland-Affäre.

Former Trump campaign adviser Roger Stone departs following his sentencing hearing at U.S. District Court in Washington

Roger Stone nach Verkündung des Urteils.

(Foto: Mary F. Calvert/Reuters)

Der langjährige Trump-Vertraute Roger Stone ist im Zusammenhang mit der Russland-Affäre zu 40 Monaten Haft verurteilt worden. Seine Vergehen wögen so schwer, dass er eine erhebliche Zeit hinter Gittern verbringen müsse, sagte US-Bezirksrichterin Amy Berman Jackson am Donnerstag bei der Bekanntgabe des Strafmaßes. Die ursprüngliche Forderung der Staatsanwaltschaft von sieben bis neun Jahren Haft sei jedoch überzogen gewesen. Die Verteidigung hatte eine Bewährungsstrafe gefordert.

Der Fall hatte Aufsehen erregt, weil Präsident Donald Trump sich vor dem Richterspruch mehrmals deutlich zum Strafmaß geäußert hatte. So kritisierte er die ursprüngliche Forderung der Staatsanwaltschaft als "sehr schrecklich und unfair". Danach senkte das Justizministerium in einem höchst ungewöhnlichen Schritt die Forderung. Aus Protest dagegen erklärten vier Staatsanwälte ihren Rücktritt von dem Fall, einige kündigten sogar. Justizminister William Barr beklagte später, die Tweets des Präsidenten machten ihm seine Arbeit unmöglich.

Das hielt Trump aber nicht davon ab, von Richterin Jackson noch am Dienstag via Twitter zu verlangen, den Schuldspruch der Geschworenen zu verwerfen. Diese hatten Stone im Herbst für schuldig befunden, einen Zeugen zu Falschangaben angestiftet und Untersuchungen des Repräsentantenhauses über eine mögliche Zusammenarbeit von Trumps Wahlkampftruppe mit Russland behindert zu haben. Außerdem hat Stone nach Überzeugung der Jury den Kongress über Gespräche belogen, die er über die Enthüllungsplattform Wikileaks geführt hat. Diese war 2016 im Besitz von mehr als 19 000 Emails, die bei einem Hackerangriff auf die Führung der US-Demokraten erbeutet worden waren. Stone hat ein Fehlverhalten bestritten und von politisch motivierten Vorwürfen gesprochen. Jackson wies dies zurück.

Stone sei nicht belangt worden, weil er sich für Trump eingesetzt habe. "Er wurde bestraft, weil er den Präsidenten gedeckt hat", sagte sie. Zugleich kritisierte sie, Stone habe die Öffentlichkeit über das Internet gegen Staatsanwaltschaft und Gericht aufgestachelt. Es sei sogar eine Fotomontage von ihr in einem Zielfernrohr verbreitet worden. "Das ist für die Rechtsprechung untragbar", sagte Jackson. Vor zwei Tagen hatte sie einen Antrag zurückgewiesen, das Strafmaß für Stone erst später zu verkünden. Die Richterin setzte den Vollzug der Strafe aus, bis sie über Stones Antrag für einen fairen Prozess entschieden hat. Der 67-Jährige reagierte auf ihre Entscheidung zunächst nicht.

© SZ vom 21.02.2020 / dpa
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