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Rente:Wahlen nach Zahlen

Die Rentenformel zu ändern ist sinnvoll - und trickreich.

Von Michael Bauchmüller

Nur eine kleine Änderung an der Formel wäre es, was das Arbeitsministerium da vorhat. In der komplexen Berechnung der jährlichen Rentenerhöhung würden sich statistische Effekte - wie aktuell eine nachträgliche Revision der Löhne und Gehälter - künftig nicht mehr so stark niederschlagen. Das hat durchaus einige Logik.

Für Millionen Rentner freilich steckt darin eine nicht so schöne Nachricht. Werden die Vorschläge des Ministeriums Gesetz, werden ihre Renten im nächsten Jahr weit weniger stark steigen als ohne die Änderung. Dafür steigen sie im Folgejahr 2021 umso stärker. Unter dem Strich ändert sich für die meisten Rentner dadurch nichts. Nur wäre eben die neue Systematik systematischer als die alte, die tatsächlich Äpfel mit Birnen verglichen hatte. Sie stellte den alten Zahlen für das Jahr x die revidierten, in diesem Fall höheren Zahlen für das Jahr y gegenüber.

Für die Koalition hat dieser statistische Vorstoß einen hübschen Nebeneffekt. Denn die Renten würden durch die Änderung im Jahr 2021 nicht mickrig, sondern durchaus ordentlich steigen. Wie praktisch: In Kraft träte die Anhebung wie immer im Juli, also kurz bevor auch die Rentner zur nächsten Bundestagswahl schreiten. Jedenfalls, wenn die Koalition so lange durchhält.

© SZ vom 30.09.2019

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