Regierungsposse in Kirgisistan:Eselfleisch? Pfui Teufel!

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Wer sich kein Pferd leisten kann, hat in Kirgisistan einen Esel. Wie dieser Mann in der Nähe von Bischkek.

(Foto: AFP)
  • Ein Journalist behauptet, Eselfleisch sei an Restaurants in der Hauptstadt Bischkek geliefert worden - unter dem Label Rind und Lamm.
  • Nun soll die Regierung das "Eselgate" auflösen. Doch es gibt auch Zweifel an den Informationen des Journalisten.
  • Bis zum 15. März hat die Regierung Zeit, die Affäre aufzuklären. Sonst droht ihr die Vertrauensfrage im Parlament.

Von Antonie Rietzschel

Die Salame d`Asino gilt als echte Delikatesse: Eine Mischung aus Esel -und Schweinefleisch, veredelt mit einer speziellen Gewürzmischung und einem Schuss Rotwein oder Walnüssen. Bis zu 15 Euro können ein paar hundert Gramm der Wurst aus Italien kosten.

In Kirgisistan würden viele Einwohner nur die Nase rümpfen. Nicht nur wegen des Schweinefleisches - das zentralasiatische Land ist muslimisch geprägt -, sondern auch wegen des Esels, der im Naturdarm gelandet ist. Das Tier hat in dem Land gerade ein ernstes Imageproblem. Der Verzehr seines Fleisches gilt in den Augen einiger kirgisischer Politiker als Schande. Allein die Nachricht, Eselfleisch könne im Umlauf sein, sorgt derzeit für eine Staatsaffäre. Der Regierung droht gar die Vertrauensfrage, wie zunächst Eurasianet berichtete.

Erfolglose Suche in Restaurants

Ende Februar hatte ein Journalist eines staatlichen Fernsehsenders Bilder geschlachteter Esel veröffentlicht. Offenbar stammen sie von einer Farm nahe der Hauptstadt Bischkek. In dem dazugehörigen Text wird der Vorwurf erhoben, das Fleisch werde an Restaurants geliefert - gelabelt als Rind- und Lammfleisch. Beweise konnte der Journalist jedoch keine liefern. Kontrolleure durchsuchten erfolglos mehrere Restaurants. Der Koch eines bekannten Lokals erklärte, Eselfleisch sei nicht profitabel. Wahrscheinlich hatte er noch nie was von der Salame d`Asino gehört.

Schließlich beschäftigte sich nicht nur die Restaurantindustrie mit dem Thema, sondern auch das Parlament. "Die Menschen werden belogen. Ihnen wird Fleisch verabreicht, das sie niemals essen würden, wüssten sie, von welchem Tier es stammt", sagte der Abgeordnete Saidullah Nischanow, Chef des Agrar-Komitees. "Dies ist eine Frage der Geschichte. Kirgisen haben niemals Eselfleisch gegessen. Es ist eine Schande." Ein anderes Mitglied des Komitees zeigte sich besorgt über den Ruf des Landes. "Jetzt werden die Einwohner des Landes 'Kirgisen, die Eselfleisch essen' genannt." Die Esel-Farm, das glaubt auch er, habe Schande über das Land gebracht.

Kirgisistan hat viele Probleme. Die Regierung ist besorgt über den Einfluss von Terrororganisationen. Die hohe Arbeitslosigkeit im Land zwingt die Menschen, nach Kasachstan oder Russland zu emigrieren, um dort als Schwarzarbeiter auf den Märkten oder Baustellen zu schuften. Im Süden des Landes gibt es immer wieder Konflikte zwischen Usbeken und Kirgisen.

Nun also Eselfleisch.

Das Agrar-Komitee hat der Regierung jetzt bis zum 15. März Zeit gegeben, den Fall aufzuklären - ansonsten werde man die Vertrauensfrage stellen. Seit dem 3. März gibt es Ermittlungen.

Farm-Besitzer glaubt an Verschwörung

Doch wie dieses "Eselgate" lösen, das möglichweise gar keines ist? Dem Journalisten, der die Anschuldigungen öffentlich gemacht hatte, droht möglicherweise eine Anzeige. Jedes Gramm der geschlachteten Esel werde an einen Zoo in Hongkong geliefert, sagt Almas Takirbaschew, Chef der Firma, die die Farm betreibt. Er vermutet eine Verschwörung. "Wir glauben, dass jemand dahinter steckt, der die Attraktivität für Investoren ruinieren will." Man wolle keine Namen nennen. Es sei noch nicht zu spät, den Konflikt friedlich beizulegen, so Takirbaschew.

Fleischskandale gibt es in Europa immer wieder, doch sind sie weniger politisch. Im April 2013 wurden bei europaweiten Tests in jedem 20. Rindfleischfertiggericht Pferdefleisch gefunden - in Kirgisistan gilt das wiederum als Delikatesse.

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