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Razzien in mehreren Bundesländern:Verdacht: Synagoge im Blick mutmaßlicher Islamisten

Festnahmen nach Razzia in Herbsleben- Drogen an Minderjährige

Ein Polizeiwagen mit eingeschaltetem Blaulicht: Razzien in mehreren Bundesländern.

(Foto: dpa)
  • Etwa 180 Einsatzkräfte haben bei einer großangelegten Razzia Objekte in Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Thüringen durchsucht.
  • Die Ermittlungen sollen Klarheit über mögliche Anschlagspläne mutmaßlicher Islamisten geben.
  • Der Berliner Generalstaatsanwaltschaft zufolge sollen diese eine Synagoge und ein Einkaufszentrum als mögliche Anschlagsziele ausgekundschaftet haben.

Bei einer großangelegten Razzia sind Ermittler am Dienstag in vier Bundesländern gegen mutmaßliche Islamisten vorgegangen. Mehrere Männer stehen unter Verdacht, Orte für einen etwaigen islamistisch motivierten Anschlag ausgespäht zu haben, wie die Berliner Generalstaatsanwaltschaft mitteilte. Eine konkrete Anschlagsgefahr habe aber nicht bestanden.

Die Verdächtigen hätten eine Synagoge und ein Einkaufszentrum als mögliche Anschlagsziele ausgekundschaftet, konkretisierte der Sprecher der Berliner Generalstaatsanwaltschaft, Martin Steltner. Wo sich diese Örtlichkeiten befinden und weitere Details dazu nannte er nicht. "Auf dem Handy eines Beschuldigten befanden sich Bilder eines möglichen Anschlagziels", sagte Steltner. Deshalb seien die Ermittlungsbehörden in einem "frühen Stadium" eingeschritten. Zur Zahl der Verdächtigen sowie möglicher Festnahmen konnte der Sprecher zunächst keine Angaben machen.

Etwa 180 Einsatzkräfte hatten am Morgen Objekte an neun Orten in Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Thüringen durchsucht. Gegen die Verdächtigen tschetschenischer Abstammung im Alter von 23 bis 28 Jahren wird nach Angaben der Berliner Generalstaatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt. Die Durchsuchung sollte demnach Klarheit über die Motivlage bringen. Beschlagnahmt wurden Bargeld, Hieb- und Stichwaffen sowie Datenträger. Diese würden jetzt ausgewertet.

Die Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus an der Grenze zu Georgien gilt seit Jahrzehnten als Konfliktregion. Nach langer Flucht vor Krieg und Terror leben heute ethnische Tschetschenen in aller Welt verstreut. Nach dem Zerfall der Sowjetunion verhinderte Moskau eine Abspaltung des Gebietes in zwei Kriegen mit Zehntausenden Toten. Terroristen trugen den Kampf immer wieder nach außen.

Anmerkung der Redaktion

In der Regel berichtet die SZ nicht über ethnische, religiöse oder nationale Zugehörigkeiten mutmaßlicher Straftäter. Wir weichen nur bei begründetem öffentlichen Interesse von dieser im Pressekodex vereinbarten Linie ab. Das kann bei außergewöhnlichen Straftaten wie Terroranschlägen oder Kapitalverbrechen der Fall sein oder bei Straftaten, die aus einer größeren Gruppe heraus begangen werden (wie Silvester 2015 in Köln). Ein öffentliches Interesse besteht auch bei Fahndungsaufrufen oder wenn die Biografie einer verdächtigen Person für die Straftat von Bedeutung ist. Wir entscheiden das im Einzelfall und sind grundsätzlich zurückhaltend, um keine Vorurteile gegenüber Minderheiten zu schüren.