Raketen-Attrappe Nordkoreas:Ein zweiter Weg zur Bombe

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Hat Nordkorea seine Atomwaffen bislang mutmaßlich aus Plutonium aus dem Forschungsreaktor Yongbyon gebaut, eröffnet die Uran-Anreicherung dem Land einen zweiten Weg zur Bombe. Das extrahierte Plutonium reicht für zwölf bis 18 Sprengköpfe. Doch besitzt Nordkorea große Uranreserven. Die Logik, jeder Atomtest reduziere den Vorrat an Spaltmaterial, gilt nicht mehr.

Zudem dürfte ein dritter Test den Technikern wichtige Informationen liefern, über die Zuverlässigkeit des Sprengkopfs und Möglichkeiten, ihn weiter zu verkleinern. Dies ist Voraussetzung, um einsatzfähige Waffen zu bauen; diese müssen auf eine Rakete passen, sollen sie eine ernsthafte militärische Bedrohung darstellen.

Da kommt die neue Rakete ins Spiel. Viele Analysten teilen die Einschätzung der Münchner Raketenexperten Robert Schmucker und Markus Schiller, dass die sechs am 15. April in Pjöngjang vorgeführten Flugkörpern "hastig zusammengeschusterte Attrappen" sind. So sei die Oberfläche der Raketenspitze wellig, als habe man dünnes Blech auf einen Gitterrahmen fixiert - wie im Modellbau üblich. Dagegen muss ein echter Gefechtskopf extreme Temperaturen und aerodynamische Belastungen aushalten, soll er den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre überstehen.

Zudem weist die KN-08 getaufte Attrappe sowohl Merkmale flüssigkeits- als auch feststoffgetriebener Raketen auf, während die Größe des Systems, etwa 18 Meter Länge und zwei Meter Durchmesser, eigentlich nur Feststofftriebwerke zuließe. Ein nordkoreanischer Überläufer, der im Raketenprogramm gearbeitet hat, kam nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ebenfalls zum Schluss, dass die einzelnen Komponenten nicht zusammenpassen.

Weniger klar ist, was Nordkorea damit erreichen wollte, die in Tarnfarben lackierten Modelle der Welt vorzuführen. Der frühere US-Verteidigungsminister Robert Gates, meist vorsichtig in seinen öffentlichen Äußerungen, hatte bereits im Juni 2011 auf einer Sicherheitskonferenz in Singapur gewarnt, Nordkorea entwickle eine fahrzeuggestützte Interkontinentalrakete und könne damit zu einer direkten Bedrohung für die USA werden.

Wahrscheinlich wussten die US-Geheimdienste damals schon, dass sich die Nordkoreaner aus China zumindest die Fahrgestelle für achtachsige Speziallastwagen beschafft hatten, die zugleich als Transportvehikel und als Startrampe dienen. Zumindest öffentlich ist aber nicht bekannt, was westliche Geheimdienste zur Einschätzung bringt, dass man es mit einem "ernstzunehmenden Entwicklungsprogramm" zu tun habe. Klar ist dagegen, sagen Schmucker und Schiller, dass es "weiter keine Indizien dafür gibt, dass Nordkorea über eine funktionierende Langstreckenrakete verfügt".

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