Provokation durch türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan gibt Israel Schuld an Mursis Sturz

Zündeln im ägyptischen Machtkampf: Der türkische Premier Erdoğan will Beweise dafür haben, dass Israel hinter dem Sturz des gewählten Präsidenten Mursi stecke. Das Verhältnis zwischen der Türkei und Ägypten hat sich seit dem Putsch verschlechtert.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan wirft Israel vor, in den Sturz des gewählten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi verwickelt gewesen zu sein. Das berichten die türkische Zeitung Hürriyet und die israelische Haaretz auf ihren Webseiten.

Die Medien zitieren ihn mit einer Aussage, in der er dem Westen indirekt vorwirft, das demokratische Wahlergebnis in Ägypten vom Juni 2012 nicht anzuerkennen. "Jetzt sagt der Westen, dass Demokratie nicht gleichbedeutend sei mit der Wahlurne. (...) Aber wir wissen, dass die Wahlurne den Willen des Volkes zeigt", sagte Erdoğan demnach auf einem Treffen führender Vertreter seiner Regierungspartei AKP.

Dennoch habe man in Ägypten die Sichtweise des Westens durchgesetzt. "Wer steckt dahinter? Israel. Wir haben Beweise.", sagte Erdoğan. Um seiner Aussage mehr Substanz zu verleihen, zitierte er einen jüdischen Intellektuellen aus Frankreich. Erdoğan zufolge habe dieser bereits 2011 gesagt: "Die Muslimbruderschaft wird nicht an der Macht sein, selbst wenn sie die Wahl gewinnen sollte."

Das Verhältnis zwischen den beiden zentralen Mächten der Region - Türkei und Ägypten - gilt als kompliziert. Erdoğan war während des Sturzes des ägyptischen Machthabers Hosni Mubarak einer der Ersten gewesen, der den langjährigen Autokraten zur Abdankung aufforderte. Auch durch den Zusammenbruch Syriens bedingt, verstärkte die islamisch-konservative AKP-Regierung ihre Zusammenarbeit mit Kairo, als die Muslimbrüder an die Macht kamen. So half die Türkei Ägypten mit Krediten aus und verhandelte über gegenseitige Erleichterungen bei Visaangelegenheiten.

"Schande für den Islam und die arabische Welt"

Seit dem Putsch gegen Mursi im Juli haben sich die bilateralen Beziehungen stetig verschlechtert: Die Erdoğan-Regierung positioniert sich auch aus historischen Gründen gegen Ägyptens Militär, hat die Türkei doch selbst erst in den vergangenen Jahren die Armee als Machtfaktor weitgehend zurückgedrängt.

Seit der Eskalation der Gewalt haben Erdoğan und Co. besonders deutliche Worte gewählt. Nach der gewaltsamen Räumung der Protestcamps der Muslimbrüder vergangenen Mittwoch hatte der Ministerpräsident gefordert, die ägyptische Führung solle sich dafür vor Gericht verantworten. Kurz darauf zogen Kairo und Ankara jeweils ihre Botschafter ab und sagten geplante gemeinsame Militärübungen ab. Türkeis Präsident Abdullah Gül sprach angesichts der vielen Toten von einer "Schande für den Islam und die arabische Welt".