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Proteste in Thailand:Anführer der Regierungsgegner in Bangkok erschossen

In einer Woche sollen in Thailand Neuwahlen stattfinden, Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra wird dann wohl im Amt bestätigt. Regierungskritiker tun deshalb alles, um die Wahlen noch zu verhindern - jetzt ist einer ihrer Anführer getötet worden.

In der thailändischen Hauptstadt Bangkok ist am Sonntag einer der Anführer der regierungskritischen Proteste getötet worden. Suthin Taratin sei während einer Rede vor Demonstranten erschossen worden, sagte Akanat Promphan, ein Sprecher der Protestbewegung. Die Schüsse seien demnach von einem Kleintransporter abgegeben und mehrere Menschen verletzt worden. Die Polizei bestätigte das und spricht von mindestens fünf Verletzten.

Sprecher Akanat machte "regierungstreues Gesindel" für den Tod des Protest-Anführers verantwortlich. Die Regierung habe zwar über Bangkok und Umgebung den Ausnahmezustand verhängt, sie habe aber "weder Schutz noch Sicherheit" geboten.

Thailand wird seit mehr als zwei Monaten von einem Machtkampf zwischen Regierung und Opposition erschüttert. Suthin ist das zehnte Todesopfer seit Beginn der Proteste vor knapp drei Monaten, Hunderte Menschen wurden seitdem verletzt. Beide Seiten geben sich regelmäßig gegenseitig die Schuld für die Gewalt.

Die Gegner von Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra erhöhten mit zahlreichen Protestmärschen stetig den Druck. Immer wieder gab es dabei Schießereien und Explosionen, bei denen mehrere Menschen getötet wurden. Die Opposition fordert Yinglucks sofortigen Rücktritt und will einen nicht gewählten sogenannten Volksrat einsetzen. Dieser soll eine Reihe nicht genau definierter Reformen umsetzen.

Für den kommenden Sonntag hat Yingluck Neuwahlen angesetzt, die jedoch von der Opposition abgelehnt werden. Die Regierungsgegnern wollen die Wahl unbedingt verhindern. Am Sonntag erzwangen Demonstranten in Bangkok bereits die Schließung mehrerer Wahllokale, in denen Bürger vorzeitig ihre Stimme abgeben konnten. Die Protestierenden besetzten Gebäude und versperrten Eingänge. In Bangkok wurden daraufhin auf Anordnung der Behörden mindestens 45 von 50 Wahllokale geschlossen. In 66 von 76 Provinzen, darunter die Regierungshochburgen im Norden und Nordosten, blieben die Wahllokale nach Regierungsangaben aber geöffnet.

Bei der Wahl wird mit einem Sieg Yinglucks gerechnet. Sie ist die jüngere Schwester des ehemaligen Regierungschefs Thaksin Shinawatra und genießt in der Bevölkerung nach wie vor großen Rückhalt. Shinawatra wurde im Jahr 2006 vom Militär gestürzt und lebt seither im Exil, um in seiner Heimat nicht wegen Korruption inhaftiert zu werden.

Die Proteste hatten sich im November an einem von der Regierung befürworteten Amnestiegesetz entzündet, das Yinglucks Bruder wohl eine Rückkehr aus dem Exil erlaubt hätte. Yinglucks Regierung ließ das umstrittene Amnestievorhaben inzwischen fallen, vermochte ihre Gegner damit aber nicht zu beruhigen.

© Süddeutsche.de/Reuters/AFP/dpa/ratz/ebri

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