Machtkampf in Bangkok:Warum Thailand andauernde Gewalt droht

Bangkok Thailand Protest

Protest gegen die Regierung: Anhänger des Oppositionslagers in Bangkok

(Foto: dpa)

In Thailands Hauptstadt Bangkok gilt der Notstand - doch der Konflikt löst sich dadurch nicht. Das Land ist tief gespalten. Auf der einen Seite das Regierungslager, auf der anderen die gesellschaftliche Elite, die ihre Oppositionsrolle nicht akzeptiert.

Ein Kommentar von Tobias Matern

Thailands Politik leidet an einem Problem: Diejenigen, die seit Jahren bei Wahlen verlieren, können nicht nur ihre Niederlage nicht akzeptieren, sie wollen auch die andere Seite aus dem Land verbannen. Das wiederum erzürnt die hinter der anderen Seite stehende Masse, die immer wütender wird, wenn ihre Regierung abserviert werden soll.

Die gewählte Regierungschefin Yingluck Shinawatra hat nun den Notstand ausgerufen. Sie will damit die seit drei Monaten andauernden Demonstrationen beenden. Die Protestler, angeführt vom früheren Vize-Premier, geben sich nicht damit zufrieden, dass Yingluck Neuwahlen angesetzt hat.

Sie wissen: Bei einer demokratischen Abstimmung haben sie keine Chance. Denn die Mehrheit der Wähler gibt dem im Exil lebenden Ex-Premier Thaksin Shinawatra beziehungsweise von ihm eingesetzten Getreuen wie seiner Schwester Yingluck eine Legitimation.

Thaksin ist zwar alles andere als ein Musterdemokrat. Er hat sich einst durch eine zwielichtige Amtsführung ausgezeichnet, setzte auf populistische Maßnahmen, um seine Macht zu zementieren, und nimmt aus dem Ausland Einfluss auf die Regierungsgeschäfte Yinglucks.

Doch die andere, von den Eliten gestützte Seite wird ihn nicht los - so sehr sie sich dies auch wünscht. Dafür stehen zu viele Thais hinter ihm. Anzeichen für Versöhnung? Keine. Dem "Land des Lächelns" droht mehr Gewalt.

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