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Proteste in Kiew:Opposition erhöht Druck auf Regierung

A pro-European protester throws a Molotov cocktail towards riot police near burning tyres during clashes in Kiev

Neue Gewalt in Kiew: Demonstranten liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei.

(Foto: REUTERS)

Die Massenproteste gegen die ukrainische Regierung versinken im Chaos. Ein Treffen von Oppositionsvertretern und Präsident Viktor Janukowitsch führt nicht zu einer Einigung. Oppositionsführer Klitschko kündigt eine Offensive an.

Erneut eskaliert die Lage in Kiew: Gegner des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch und Sicherheitskräfte stehen sich in der Gruschewski-Straße im Zentrum der Stadt gegenüber, bei Zusammenstößen wurden mehrere Menschen getötet.

  • Oppositionsführer Klitschko kündigt Offensive Das Treffen von Janukowitsch und Vertretern der Opposition dauerte der Nachrichtenagentur Reuters zufolge gut drei Stunden. Anschließend erklärte Oppositionsführer Klitschko vor Anhängern auf dem Unabhängigkeitsplatz, der Präsident sei auf seine Forderungen nicht eingegangen. Wenn Janukowitsch keine Zugeständnisse mache, "gehen wir morgen in die Offensive", erklärte Klitschko. Janukowitsch könne die Krise friedlich lösen, indem er vorgezogene Neuwahlen ansetze, sagte er weiter.
  • Zahl der Toten soll gestiegen sein: Der Koordinator des medizinischen Dienstes des Regierungsgegner in Kiew, Oleg Mussi, erklärte in Kiew, die Zahl der Erschossenen sei auf fünf gestiegen. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür nicht. Bisher war von zwei erschossenen und einem auf der Flucht vor der Polizei zu Tode gestürzten Regierungsgegner berichtet worden. Die Opposition beschuldigt die Polizei, mit scharfer Munition auf Regierungsgegner gefeuert zu haben. Die Sicherheitskräfte wiesen die Vorwürfe zurück und machten die Opposition für die Eskalation verantwortlich. Präsident Viktor Janukowitsch kündigte an, die Todesfälle untersuchen zu lassen. Nach Angaben von Ärzten wurden bei den Auseinandersetzungen zudem 300 Menschen verletzt.
  • Janukowitsch trifft Oppositionspolitiker: Im Laufe des Mittwochs traf Janukowitsch sich mit der Oppositionsführung zu Gesprächen. Mit dabei waren neben dem Chef des Nationalen Sicherheitsrates, Andrij Kliujew, die Oppositionspolitiker Arsenij Jazenjuk, Vitali Klitschko und Oleg Tiagnibok teil, wie das Präsidialamt in Kiew mitteilte.
  • Timoschenko meldet sich aus dem Gefängnis zu Wort: Die ehemalige Regierungschefin Julia Timoschenko ruft die Ukrainer zum Aufstand gegen Präsident Viktor Janukowitsch auf. "Das Blut der Helden der Ukraine klebt an den Händen von Janukowitsch", erklärte die inhaftierte Politikerin. Timoschenko forderte die Sicherheitskräfte auf, zu den Demonstranten überzulaufen: "Belastet Eure Seelen nicht mit dem Blut von Ukrainern." Die wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Gefängnis verurteilte Politikerin betonte, die internationale Gemeinschaft müsse eine "zweite große Front" gegen die "Diktatur" eröffnen.
  • Sondereinheiten räumen Gelände vor dem Dynamo-Stadion: Die Eingreiftruppe der Polizei hat am Mittag die Barrikaden entfernt und den Platz vor dem Dynamo-Stadion im Zentrum der Stadt vorerst geräumt. Nachdem Demonstranten Steine und vereinzelt Feuerwerkskörper auf die Polizisten geworfen hatten, schossen diese dem Anschein nach mit Gummigeschossen und setzten Blendgranaten ein. Die Demonstranten haben sich inzwischen hinter angezündeten Autoreifen postiert, um die Polizisten fernzuhalten (Livestream-Link). Unbestätigten Berichten zufolge sind inzwischen auch Panzer in Kiew eingetroffen.
  • Hintergrund: Seit Mitternacht gelten scharfe Gesetze, die Anti-Regierungs-Demonstrationen de facto verbieten. Die Lage war am Mittwochmorgen eskaliert, nachdem die Polizei die Barrikaden der Regierungsgegner erstmals durchbrochen hatte. Nach der Festnahme einiger Demonstranten kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Ministerpräsident Mykola Asarow kündigte erneut hartes Durchgreifen an. "Wir werden Anarchie und die Spaltung des Landes nicht zulassen", sagte er.
Anti-government protests in Ukraine

Ein massives Aufgebot an Sicherheitskräften steht den Demonstranten in Kiew gegenüber

(Foto: dpa)
  • Wachsende Gewaltbereitschaft: In den vergangenen Tagen hatten einige Demonstranten zunehmend aggressiv agiert. Die Opposition macht Provokateure dafür verantwortlich. Die Kyiv Post hat einige der gewaltbereiten Regierungsgegner zu Wort kommen lassen.

Linktipps: Einen Livestream aus Kiew gibt es hier, die Kyiv Post aktualisiert ihre Meldungen ständig.

© Süddeutsche.de/joku/anri/segi/sekr
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