Proteste am Gezi-Jahrestag Türkische Polizei geht hart gegen Demonstranten vor

Die türkische Polizei setzt Tränengas ein und setzt Demonstranten fest.

(Foto: AFP)

Mit massiver Polizeipräsenz wollte der türkische Premier Erdoğan erneute Proteste am Gezi-Jahrestag verhindern. Doch die Demonstranten kamen. Die Sicherheitskräfte in Istanbul und Ankara reagierten mit harten Mitteln.

Bei Demonstrationen anlässlich des Jahrestages der landesweiten Gezi-Proteste sind in der Türkei etwa 120 Menschen festgenommen worden. Das sagte Istanbuls Polizeichef Selami Altinok nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu. Der Polizeichef erklärte vor Journalisten, bei den Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Beamten seien vier Polizisten verletzt worden. Über verwundete Protestteilnehmer wurde nichts bekannt.

Die Sicherheitskräfte waren mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Demonstranten in Istanbul und Ankara vorgegangen. In Istanbul kam es zu Zusammenstößen nahe des Taksim-Platzes. Hunderte Menschen wurden von Polizisten eingekesselt. In der Umgebung des Platzes wurden neben Wasserwerfern auch Krankenwagen und Feuerwehrfahrzeuge in Stellung gebracht. Bosporus Fähren brachten seit dem Nachmittag keine Passagiere mehr vom asiatischen zum europäischen Teil Istanbuls, wo der Taksim-Platz liegt. Die dortige U-Bahn-Station wurde geschlossen. Auch in Ankara versuchten die Sicherheitskräfte, etwa tausend Teilnehmer einer Kundgebung auseinanderzutreiben.

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Verletzte Demonstranten in Istanbul

Wieder Wasserwerfer, wieder Tränengas: Zum Jahrestag der Gezi-Park-Proteste geht die türkische Polizei erneut gewaltsam gegen Demonstranten in Istanbul vor. Viele flüchten, manche werden verletzt - und ein CNN-Reporter wird kurzzeitig gefangengenommen.

Heute sind der Taksim-Platz und der angrenzende Gezi-Park wieder frei zugänglich. Auch die dortige U-Bahn-Station ist wieder geöffnet. Der Fährverkehr über den Bosporus läuft normal.

Die türkische Regierung hatte vor dem Jahrestag ein hartes Durchgreifen angekündigt. In mehreren türkischen Städten hatten Aktivisten dennoch für Samstag zu Demonstrationen aufgerufen, um an den Beginn der Gezi-Proteste vor einem Jahr zu erinnern.

Polizei setzt Journalisten fest

In der Nähe des Taskim-Platzes versammelten sich auch zahlreiche Vertreter internationaler Medien. Journalisten des US-Senders CNN wurden während einer Live-Reportage kurzzeitig festgenommen. Ein Polizist habe den Türkei-Korrespondent des US-Senders, Ivan Watson, dabei mit dem Knie gestoßen, berichtete Watson über Twitter.

Türkischen Medienberichten zufolge sollten allein in Istanbul 25 000 Sicherheitskräfte für Ordnung sorgen, außerdem standen Dutzende Wagen mit Wasserwerfern sowie Panzerfahrzeuge bereit, um den Taksim-Platz abzuriegeln. Trotzdem riefen mehrere Aktivistengruppen zu neuen Protestaktionen in Istanbul, Ankara, Izmir und anderen Städten auf.

In einem Park in Ankara erinnerten Aktivisten am Samstagnachmittag an einen 26-jährigen Demonstranten, der im vergangenen Jahr von der Polizei durch einen Kopfschuss getötet wurde. Sie entzündeten Kerzen und ließen mehrere Tauben fliegen.

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Aus Angst vor neuen Zusammenstößen setzt die Türkei Zehntausende Sicherheitskräfte in der Istanbuler Innenstadt ein. Anlass ist der Jahrestag der blutigen Gezi-Park-Proteste. Ministerpräsident Erdoğan warnt vor "neuen Toten". Die Sicherheitskräfte hätten "eindeutige Anweisungen".

Ende Mai vergangenen Jahres hatten sich Demonstrationen von Umweltschützern gegen die geplante Abholzung von Bäumen im Gezi-Park am Taksim-Platz binnen kurzer Zeit zu landesweiten Massenprotesten gegen die Regierung ausgeweitet. Die türkischen Sicherheitskräfte gingen mit Gewalt gegen die Demonstranten vor, acht Menschen starben, Tausende wurden verletzt. Politische Kundgebungen im Gezi-Park und auf dem angrenzenden Taksim-Platz sind mittlerweile verboten.