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Profil:William Albert Ackmann

(Foto: Andrew Harrer/Bloomberg)

Wettkönig von der Wall Street - dank eines Traums.

Das Virus suchte William Albert "Bill" Ackman im Schlaf heim. Ende Januar, so hat er es im amerikanischen Börsenfernsehen erzählt, habe er eine Art Albtraum gehabt und eine Ahnung davon bekommen, was den USA, was der Weltwirtschaft bevorsteht. Ackman, Hedgefonds-Manager und Herr über Milliarden Dollar, bereitete sich auf den Shutdown vor, den die USA und mit ihnen die Weltwirtschaft in diesen Tagen erleben. Er hob einen höheren Bargeldbetrag ab. Er organisierte Heimarbeit für seine etwa fünfzig Mitarbeiter, die sonst in Midtown-Manhattan die Geschäfte des Hedgefonds Pershing Square Capital steuern. Und: Er zweigte 27 Millionen Dollar ab, um seinen Fonds gegen die Katastrophe abzusichern.

Das hat sich gelohnt. 2,6 Milliarden Dollar hat Ackman mit dieser Absicherung gegen den Corona-Kurssturz verdient - ein Gewinn von mehr als 9500 Prozent innerhalb weniger Wochen. Der gesamte Fonds machte im März ein Plus von bisher fast acht Prozent. Das ist schon in normalen Zeiten sehr viel bei einem Portfolio von insgesamt mehr als sechs Milliarden Dollar. In Zeiten eines historischen Börsencrashs ist es atemberaubend. Ackman hatte mit speziellen Kreditderivaten für die Krise vorgesorgt: Mit Wertpapieren, die sich dann lohnen, wenn bestimmte Indizes aus Unternehmensanleihen sinken - wenn also unterschiedlichste Firmen in Zahlungsschwierigkeiten geraten. In normalen Zeiten sind solche Papiere nicht besonders teuer. Ackmans riskante Wette war so angelegt, dass sie sich nur bei einer Krise der gesamten Wirtschaft wirklich lohnen konnte. Aber sie ging auf, denn genau das passiert ja gerade: Die Corona-Krise stürzt Unternehmen aus fast allen Branchen gleichzeitig in Not. Nur so lässt sich der extreme Wertzuwachs der Papiere erklären.

"Es gab eben einen Weg, sich fast risikolos abzusichern", sagte Ackman in einem Interview mit dem US-Sender CNBC. "Wäre die Welt stabil geblieben, hätten wir etwa 25 Millionen Dollar in einem Monat verloren. Und wenn nicht, hätten diese Sicherungsgeschäfte unser gesamtes Portfolio geschützt."

Ackman ist eine Ausnahme, weil er als einer der wenigen über seine Gewinne spricht. Während überall auf der Welt die Börsenkurse abstürzten, fast einen ganzen Monat lang, war allen am Kapitalmarkt klar: Irgendwo da draußen gibt es einige, die gerade absurd viel Geld verdienen. Es sind Fälle dokumentiert von US-Senatoren, die Aktien verkauften nach geheimen Briefings mit Vertretern der Regierung. Es gab die Nachricht, dass der britische Investor Crispin Odey 115 Millionen Pfund mit dem Corona-Crash verdient hat. Aber verglichen mit Bill Ackmans Milliarden verblasst so ziemlich alles.

Dabei war es um den 53-jährigen Investor recht still geworden. Er hatte sich aus dem Rampenlicht der Kapitalmärkte zurückgezogen, zu viele Misserfolge und mehrere verlustreiche Jahre in Folge hatten seinen Ruf beschädigt. Für jemanden, der als sogenannter aktivistischer Investor öffentlichkeitswirksam Firmen angreift, um daraus Profit zu schlagen, ist das eine schwere Niederlage. Dann, in aller Stille, schaffte er voriges Jahr ein Comeback, machte mehr als 58 Prozent Gewinn und seine Firma wieder zu einem der erfolgreichsten Hedgefonds der Welt.

Aber erst als die Gefahr durch das Virus in den USA immer größer wurde, meldete er sich wieder zu Wort. Ackman schien zum Hobby-Epidemiologen geworden zu sein, wie so viele. "Mr. President", schrieb er am 18. März auf Twitter, "die einzige Antwort ist es, das Land für 30 Tage abzuschalten und die Grenzen zu schließen." Jeder Tag der Verzögerung koste bei exponentieller Ausbreitung Tausende, bald Hunderttausende Leben, und zerstöre die Wirtschaft. Ackman dagegen hat mit den fatalen wirtschaftlichen Folgen des Virus bisher eine Menge Geld verdient. Und was er mit diesem Geld jetzt anstellt, das hat er auch schon verraten: Er hat sich mit Aktien eingedeckt.

© SZ vom 27.03.2020
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