Profil Roger Lewentz

Innenminister auf Bewährung in Rheinland-Pfalz.

Von Susanne Höll

Dass sie weiterhin Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz ist, das verdankt Malu Dreyer ihrer Beliebtheit und diesem Mann: Roger Lewentz, 53, dem SPD-Landesvorsitzenden, der ihr im Frühjahr einen fulminanten Wahlkampf organisierte; neben seinem Job als Innenminister. Und nun, nicht einmal 100 Tage nach Dreyers Wiederwahl, ist Lewentz allerdings nur noch eine Art Minister auf Bewährung. Weil er, so sagen auch zahlreiche seiner Parteikollegen, als Minister für die Groteske um den Verkauf des landeseigenen Flughafens Hahn, das neueste Debakel der Landes-SPD also, verantwortlich ist.

Tag für Tag werden neue, seltsame Details über das Geschäft mit einem offenkundig windigen chinesischen Interessenten publik, der falsche Versprechungen machte und vereinbarte Zahlungen unterließ. Über die Regierungs-SPD ergießt sich Spott, sie steht als Deppen-Truppe da. In der Landespartei wachse die Unruhe, sagen Leute, die sich gut auskennen. Ohne personelle Konsequenzen werde womöglich keine Ruhe einkehren. Unschöne Zeiten für Lewentz. Am Mittwochnachmittag hat er klargemacht, dass er den Deal mit dem dubiosen Unternehmen aus Shanghai zu beenden gedenkt. Spekulationen über seine Ablösung dürften damit ein Ende finden, zumindest vorerst.

Lewentz ist ein leidgeprüfter Mann; lange ist es her, dass er einmal als aussichtsreichster Nachfolger des früheren Ministerpräsidenten Kurt Beck galt - eben jenes Mannes, der seiner Partei und Lewentz ein giftiges Erbe hinterlassen hat. Der Kauf des ehemaligen US-Fliegerhorstes Hahn und die Umwandlung in einen Regionalflughafen war ebenso Becks Idee wie das spektakulär gescheiterte Projekt, am Nürburgring einen Freizeitpark zu bauen. Beide Projekte kosteten die Landeskasse Millionen, auch beim Ring waren SPD-Verantwortliche auf zweifelhafte Geschäftemacher und Hochstapler hereingefallen. Lewentz, gelernter Verwaltungsbeamter und zwölf Jahre lang Ortsbürgermeister seines Heimatortes Kamp-Bornhofen am Mittelrhein, hatte qua Amt auch mit diesem Desaster zu tun. Nun hätte er gewarnt sein müssen. Er selbst sagt, er habe aus den Erfahrungen gelernt und beim Flughafen Hahn besser Obacht gegeben.

Besser, aber auch gut? Noch eine Blamage kann er sich nicht leisten. Ministerpräsidentin Dreyer hat bewiesen, dass sie in der Not hart handeln kann. Vor zwei Jahren, als die Debatte über den Nürburgring ihrer Regierung die Luft abzuschnüren drohte, warf sie den Finanzminister aus der Regierung und ließ den Fraktionschef ablösen, die beide am Ring Verantwortung getragen hatten. Lewentz blieb im Amt, der SPD-Vorsitz machte ihn wohl unentbehrlich.

An diesem Donnerstag wird er sich in einer Sondersitzung des Landtages rechtfertigen müssen. Und er muss sich auf die Suche nach einem anderen Käufer machen. Andernfalls bleibt ihm und Dreyer nur noch die Option, den Flughafen in die Insolvenz zu schicken.