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Profil:Markus Ederer

Podiumsgespräch über Verständigungskultur
(Foto: Manfred Neubauer)

Deutscher Top-Diplomat, der nun für die EU nach Moskau geht, gilt als "cooler Hund".

Von Stefan Braun

Es geht nicht mehr. Nicht bei Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier, nicht bei Markus Ederer und Christoph Heusgen, ihren engsten Beratern. Es ist morgens kurz vor sechs an diesem 12. Februar 2015. Russen, Ukrainer, Franzosen und Deutsche haben seit Stunden in Minsk um ein Abkommen gerungen, mit dem der Konflikt in der Ostukraine beruhigt werden könnte. Dann erklärt Wladimir Putins böser Geist Wladislaw Surkow, die Separatisten könnten die Vereinbarung leider nicht mittragen - und das Quartett entscheidet, dass Schluss ist. "Wir reisen ab", sagt die Kanzlerin zum russischen Präsidenten.

Es ist der Moment, in dem alles auf der Kippe steht. Heikel für die Kanzlerin und ihren Außenminister; heikel für Ederer. Steinmeiers Staatssekretär hatte in geheimen Missionen nach Moskau und Kiew den Boden bereitet, hatte den gefährlichen Konflikt in verhandelbare Kleinteile zerstückelt und so die Hoffnung genährt, dass es klappen könnte. Jetzt bleibt nur noch die Drohung abzureisen.

Am Ende lohnt das Pokern, Putin lenkt ein und unterschreibt. Das Quartett kann mit einer Vereinbarung heimkehren. Auch wenn der Minsker Vertrag bis heute hakt und klemmt - für Ederer ist es der vielleicht größte Erfolg seiner Laufbahn. Schlimmeres zu verhindern war das wichtigste Ziel, das berichtet er später. Und er wird es in Zukunft noch lauter betonen. Denn nach der Bundestagswahl soll er als EU-Botschafter nach Moskau wechseln.

Für den Auswärtigen Dienst der EU könnte das eine große Aufwertung darstellen. Bislang führt dieser fast überall ein Schattendasein; mit Ederer könnte sich das auf einem der wichtigsten Posten ändern. Und das nicht, weil in den EU-Hauptstädten plötzlich alle ihre Nationalismen aufgeben. Ederer wird qua Statur und Ansehen in Moskau Wirkung entfalten.

Früher sprach man im Auswärtigen Amt viel von der Genscher-Schule. Ederer gehört zu denen, die von Steinmeier geprägt wurden. Immer sachlich, immer freundlich, immer zurückhaltend. Und dazu einer, für den das Wort Realismus nicht vergiftet ist, sondern entscheidend. Alles besser wissen, die eigene Weltsicht für die allein glücklich machende zu halten - das ist nicht Ederers Sache. Eher ist es die Überzeugung, dass man nichts verstehen und erreichen kann, solange man die Sicht des anderen ausblendet. Auch bei schwierigen, unangenehmen Gegenübern.

Der 59-jährige Diplomat hatte Stationen in Moskau, Ottawa und beim Bundesnachrichtendienst hinter sich, als er 2005 Planungsstabchef des neuen Außenministers Steinmeier wurde. Seit dieser Zeit sind beide sehr eng befreundet. Ederer freilich hat noch ein zweites, ein humoristisches, bayrisches Leben. Er ist eng befreundet mit Gerhard Polt und hat sich von dem Komödianten immer wieder über Außenpolitik interviewen lassen. Einen ,,coolen Hund'' nennt ihn einer, der ihn viel erlebt hat. Polt kann diese Zuschreibung nur bestätigen.

© SZ vom 11.05.2017
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