bedeckt München 18°
vgwortpixel

Profil:Gerhard Adrian

(Foto: Bernd Lammel/DWD)

Der künftige oberste UN-Meteorologe kämpft für freie Wetterdaten.

Der Samstag soll in Deutschland warm bis heiß werden, nachmittags vor allem im Nord- und Südosten mit Gewittern, der Sonntag wird dann wohl etwas kühler. Auf solche Informationen beschränkt sich meist das Interesse am Wetter. Doch dass man sich auf diese einigermaßen verlassen kann, ist einem komplexen System aus Sensoren, Rechenmodellen und Supercomputern zu verdanken. Und nicht zuletzt der globalen Zusammenarbeit, die von der UN-Wetterbehörde WMO organisiert wird. Am Donnerstag haben die Delegierten des WMO-Kongresses in Genf einen neuen Präsidenten gewählt. Erstmals ist es ein Deutscher: Gerhard Adrian, seit 2010 Leiter des Deutschen Wetterdienstes DWD. Er setzte sich gegen seinen US-Kollegen Louis Uccellini durch.

Seinen Job beim DWD - der ihm noch immer viel Freude macht, wie er sagt - muss der 62-jährige Meteorologe nicht aufgeben. Denn erstens wird das Ehrenamt des WMO-Präsidenten nicht bezahlt, und zweitens ist es an die Position als nationaler Wetterdienst-Chef gekoppelt. Allerdings dürfte Adrian künftig oft den Zug von der DWD-Zentrale in Offenbach nach Genf nehmen, wo die WMO ihren Sitz hat.

Zwar ist die Entscheidungsgewalt des Weltwetter-Präsidenten begrenzt. Trotzdem galt die Wahl als ungewöhnlich politisch, sie könnte eine Richtungsentscheidung über die Orientierung der WMO sein: forcierte Privatisierung der nationalen Wetterdienste, wie sie etwa die US-Regierung fordert, oder enge Zusammenarbeit starker staatlicher Dienste.

Mit der Wahl des Deutschen haben sich die Delegierten eher für Letzteres ausgesprochen. Denn die Wetterbehörde ist in einer Reform- und Umbruchphase. Einerseits wachsen ihre Aufgaben und ihre Bedeutung, auch durch den Klimawandel, der Wetterextreme wahrscheinlicher macht. Zugleich aber gibt es innerhalb der WMO eine Debatte über die Rolle staatlicher Wetterdienste. Derzeit muss nach einem seit Jahren geltenden Übereinkommen jeder nationale Wetterdienst auf seinem Gebiet Wetterdaten - also Temperatur, Luftdruck und so weiter - erheben und den anderen Diensten frei zugänglich machen. Dieser Datenaustausch ist für Wettervorhersagen immens wichtig; ohne vollständige, großräumige Daten kann man keinen modernen Wetterbericht erstellen. Gerhard Adrian hat fast 20 Jahre lang wissenschaftlich gearbeitet, bevor er 1999 zum DWD kam, er ist habilitiert und Professor an der Universität Karlsruhe. Als Forscher ist er erkennbar stolz auf das System. "Wir Meteorologen werden von anderen Wissenschaftlern sehr bewundert, weil wir es geschafft haben, einen vollständigen Datenkatalog zu haben: Jeder weiß, wer welche Daten hat", sagt er. Auch in seinem Bewerbungsschreiben für die WMO-Präsidentschaft betonte er, dass er Wetter-Infrastruktur und Datenaustausch weiter garantieren und verbessern möchte. Der US-Kandidat Uccellini hingegen wollte die Zusammenarbeit mit privaten Diensten voranbringen, die immer stärker auf den Markt drängen. Das ist auch die Linie von US-Präsident Donald Trump, der das Budget des US-Wetterdienstes drastisch kürzen will. Dieser Ansatz aber macht Adrian und vielen seiner Kollegen große Sorgen. Wie soll ein Staat Daten weitergeben, die er selbst nur von einem privaten Anbieter bezieht? Wenn auch diese Daten frei zugänglich sein sollten, funktioniert das Geschäftsmodell nicht mehr. Gerade Entwicklungs- und Schwellenländer hoffen aber auf die privaten Dienste, weil sie selbst kaum in der Lage sind, die Daten zu sammeln und zu verarbeiten. Die Lösung sieht Gerhard Adrian darin, die weniger weit entwickelten Länder stärker einzubeziehen. Schon heute stellt der DWD seine Modelle anderen Ländern zur Verfügung und hilft bei der Weiterbildung. "Wir müssen es hinbekommen, dass jeder Staat in die Lage versetzt wird, diese Leistung zu erbringen, anders geht es nicht", sagt Adrian. Jetzt hat er vier Jahre Zeit dafür.

  • Themen in diesem Artikel: