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Profil:François de Rugy

(Foto: AFP)

Frankreichs Umweltminister hat ein Faible für Hummer und Champagner.

Hummeressen ist auf zwei Arten kompliziert. Zum einen heißt der Meeresbewohner nicht ohne Grund Schalentier, es kann zu einem ziemlichen Massaker kommen, bis das Fleisch aus dem Panzer gelöst ist. Zum anderen ist es unmöglich, Hummer zu servieren, ohne dass es wie ein Bekenntnis zum Luxus wirkt. In Frankreich gehört Hummer zu den Distinktionsspeisen - Nahrungsmittel, an denen man jene erkennt, die sich das gute Leben leisten können. Beziehungsweise, und da beginnt das Problem von Frankreichs Umweltminister François de Rugy, jene, die wissen, wie man sich das gute Leben finanzieren lässt.

Das Nachrichtenportal Mediapart hat nun mit einem Artikel über von de Rugy veranstaltete Dinner für einen Skandal gesorgt. Im Zentrum der Aufregung: ein Foto von sauber aufgereihten Hummern, die wirken, als stehe ein Gelage bevor.

Das Foto stammt aus der Zeit, als de Rugy noch Präsident der Nationalversammlung war. Der Politiker war Ende der Neunzigerjahre den Grünen beigetreten, 2016 wechselte er zu den Sozialisten, 2017 bewarb er sich (erfolglos) um die Präsidentschaftskandidatur der Sozialisten und schloss sich dann Emmanuel Macron an. Im Fahrwasser des jetzigen Präsidenten kam der 45-Jährige zum Amt des Präsidenten der Assemblée nationale (2017 bis 2018). Im September 2018 übernahm der Politikwissenschaftler von Nicolas Hulot das Umweltministerium. Hulots Rücktritt war für Macron ein bitterer Schlag. Der beliebte Umweltaktivist galt als Garant für Macrons ökologisches Engagement. Er begründete seinen Rücktritt damit, dass es unmöglich sei, gegen all die Lobbyverbände, die um die Regierung herumscharwenzeln, eine ökologische Wende durchzusetzen. Das Umweltministerium tat sich schwer, sich von diesem Tiefschlag zu erholen. Verglichen mit seinem Vorgänger blieb de Rugy unsichtbar.

Das hat sich diese Woche schlagartig geändert. Allerdings nicht wegen seiner politischen Arbeit, sondern wegen neun Abendessen, die er und seine Frau auf Kosten der Republik veranstalteten, während das Ehepaar im Hôtel de Lassay wohnte, dem Sitz des Präsidenten der Nationalversammlung. Laut Mediapart kamen bei diesen Anlässen 500-Euro-Weine (Mouton Rothschild 2004) auf den Tisch, und unter den Gästen befanden sich vor allen Dingen Freunde, aber auch Familie. Séverine de Rugy, Ehefrau des Ministers und Journalistin beim Magazin Gala, sagte zu Mediapart über die Eingeladenen: "Sicher, die gehören zum Freundeskreis, aber wenn wir uns sehen, dann sprechen wir immer über Politik." François de Rugy betont, dass es bei den Essen darum gegangen sei, den "Kontakt mit der Zivilgesellschaft" zu halten, um "die Themen zu verstehen, die das Land beschäftigen".

Am Freitag meldeten sich einige der Dinner-Gäste zu Wort. Das Essen sei gut gewesen, aber nicht mit einem Zwei-Sterne-Restaurant zu vergleichen. Ja, es gab Champagner, aber so gut sei die Stimmung auch nicht gewesen. Außerdem habe man über wichtige Themen gesprochen, auch über Ökologie. Tatsächlich leistet sich in Paris jedes Ministerium völlig selbstverständlich einen herausragenden Koch. Doch es ist unwahrscheinlich, dass die Relativierungen der Freunde etwas an der Empörung im Land ändern. Es brauchte nicht den aktuellen Hummerskandal, damit sich viele Franzosen über den abgehobenen Lebensstil führender Politiker aufregen. Der Pool in Macrons Sommerresidenz, das teure Geschirr im Élysée - über genau diese Ausgaben echauffieren sich die Gilets jaunes seit Monaten.

In seinen Verteidigungsreden beteuert de Rugy nun, dass er weder Hummer noch Champagner möge. Außerdem zeigt er sich entschlossen, gegen die Korruption anderer vorzugehen. Nach den Hummerfotos feuerte er seine Kabinettsdirektorin. Sie hatte seit Jahren eine Sozialwohnung besetzt, ohne sie zu nutzen. Bezahlbarer Wohnraum gehört in Paris zum knappsten Gut.

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