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Pro und Contra Blockupy:CONTRA: Lasst den Quatsch!

Von Nikolaus Piper

Was für eine Sprache: Die Demonstranten wollten, so erklärten sie, den Alltag in Frankfurt unterbrechen, "um ein Zeichen zu setzen, dass ein solidarisches Leben möglich ist".

Nach den Protesten gegen die Eröffnung des EZB-Wolkenkratzers bestanden die Zeichen der Solidarität aus mindestens 88 verletzten Polizisten, aus brennenden Autos und zerbrochenen Scheiben. Natürlich hat Blockupy zu "friedlichen" Protesten aufgerufen.

Aber jeder hätte sehen können, was kommen würde - man musste nur die Internet-Auftritte der Krawalltouristen lesen. Sie wollten "die EZB als Symbol kapitalistischer Herrschaft in Europa angreifen", versicherte eine Gruppe.

Geht es gegen den Kapitalismus, scheint alles erlaubt zu sein

Sicher, diese Sprache ist infantil, aber der Infantilismus kann lebensgefährlich werden. Spätestens nach den Krawallen vom 18. März sollten sich die Organisatoren fragen, wie lange sie das zynische Spiel eigentlich noch mitmachen wollen: Zum friedlichen Protest aufrufen, obwohl jeder weiß, dass die Schlägertrupps kommen und dann, wie geschehen, über die "Drohkulisse" der Polizei klagen.

Jeder Fußballclub ist für seine Hooligans verantwortlich, warum nicht Blockupy?

Aufschlussreich ist die Aussage des Frankfurter DGB-Chefs Harald Fiedler. Er finde die Politik der Anleihenkäufe durch die EZB ja durchaus richtig. Trotzdem sei diese eben ein Symbol für die Krisenpolitik. Warum kann sich der Mann nicht einfach hinstellen und sagen: "Leute, lasst den Quatsch!"?

Wenn es gegen den Kapitalismus geht, scheint alles erlaubt oder zumindest verständlich zu sein. Es ist wohl kaum ein Zufall, dass linke Gruppen hierzulande das amerikanische "Occupy Wall Street" - seinerzeit eher ein anarchistisches Happening - mit deutscher Gründlichkeit in das wohlorganisierte, doktrinäre Blockupy verwandelten.

Die EZB hat Unterstützung verdient

Beschämend, dass die EZB selbst vorauseilenden Gehorsam übte und auf ihre Eröffnungsfeier verzichtete. Bescheidenheit steht ihr sicher gut an, aber auch ohne Champagner-Sause hätte sie würdiger feiern können als mit ein paar Reden in einem verbarrikadierten Hinterzimmer.

Dabei hätte dann jemand vielleicht das Selbstverständliche gesagt: Ja, die EZB hat Fehler gemacht. Über ihre Politik kann und muss man streiten, vielleicht sogar erbittert.

Aber die Notenbank ist eben auch eine Institution, die ihre Wurzeln in dem Versuch der Europäer hat, Lehren aus der Geschichte zu ziehen. Deshalb hat sie die demonstrative Unterstützung der deutschen Politik und der deutschen Gesellschaft verdient, wenn jemand sich anmaßt, sie blockieren zu wollen.

© SZ vom 19.03.2015/pamu/odg/leja
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