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Pro Recht auf Sterbehilfe:Sterbetourismus ist nicht menschenwürdig

In Deutschland gibt es Vereine, die Sterbehilfe organisieren. Dignitas zum Beispiel. Oder "Sterbehilfe Deutschland", der Verein des früheren Hamburger CDU-Justizsenators Roger Kusch. Sie können aber nur helfen, wenn es um assistierte Sterbehilfe geht. Rechtlich arbeiten sie dennoch in einer Grauzone.

Sterbehilfe Keinen Sterbehilfe-Service schaffen
Kommentar
Contra Recht auf Suizidhilfe

Keinen Sterbehilfe-Service schaffen

Ob Menschen sich umbringen, hängt auch von ihren Möglichkeiten dazu ab. Statt ein Recht auf Sterbehilfe zu etablieren, sollte daher lieber das häufig unnötige Leid von alten oder kranken Menschen gelindert werden. Was das angeht, war die Debatte im Bundestag ermutigend.-   Kommentar von Nina von Hardenberg

Jene, die zu schwach sind, den Cocktail selbst mit der Hand an den Mund zu führen oder sich gar eine Spritze zu setzen, sind allein gelassen. Ihnen aktiv helfen, ihnen also auf ihren ausdrücklichen Wunsch die Spritze mit der tödlichen Substanz zu setzen, ist in Deutschland verboten. Töten auf Verlangen lautet der Straftatbestand und wird mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet. Wer würde dieses Risiko auf sich nehmen?

In der Konsequenz müssten Menschen, die ihrem Leben ein Ende setzen wollen, es aber selbst nicht können, irgendwie ins Ausland kommen. In die Niederlande, nach Belgien oder Luxemburg, wo aktive Sterbehilfe nicht bestraft wird. Sterbetourismus. Menschenwürdig ist das nicht.

Sterbehilfe Die große Unehrlichkeit
Gastbeitrag
Debatte um Sterbehilfe

Die große Unehrlichkeit

Wer gegen aktive Sterbehilfe ist, muss das Leid am Lebensende lindern. Sterbende Menschen haben ein recht auf eine bestmögliche Lebensqualität. Die Bundespolitik stellt nur die Weichen - die Umsetzung muss vor Ort erfolgen.   Von Alois Glück

Im Bundestag zeichnen sich nur Mehrheiten ab, die lediglich die assistierte Sterbehilfe in engen Grenzen erstmals regeln und damit straffrei stellen wollen. Wenn etwa ein naher Angehöriger und Freund hilft. Oder auch ein Arzt, der sich dazu bereiterklärt. Das würde Rechtssicherheit für den jetzt schon im Prinzip legalen Weg bringen. Die aktive Sterbehilfe aber bleibt nach wie vor ein Tabu.

Fester Rahmen statt Verbote

Viele Abgeordnete wollen außerdem nicht nur die gewerbsmäßige sondern jede Form der organisierten Sterbehilfe verbieten. Das wäre sogar noch ein Rückschritt gegenüber dem Ist-Zustand. Statt Vereine zu verbieten, sollte ihnen der Gesetzgeber für ihre Arbeit einen festen Rahmen geben. Die Reform des Paragrafen 218 könnte den Weg zeigen.

Der Staat akzeptiert das Selbstbestimmungsrecht der Frau, stellt es über das Lebensrecht des ungeborenen Kindes und lässt eine Abtreibung unter bestimmten Bedingungen zu. Davor ist nämlich eine eingehende Beratung in speziellen Schwangerschaftskonflikt-Beratungsstellen Pflicht. Sämtliche Alternativen zur Abtreibung müssen der schwangeren Frau vor Augen geführt werden. Und natürlich muss ein qualifizierter Arzt den Eingriff vornehmen.

Ähnliche Regeln könnte es für Sterbehilfevereine geben, damit der Tod - im besten Fall auch aktiv - legal herbeigeführt werden kann. Der Todeswunsch muss unmissverständlich sein. Aufgabe der Vereine müsste Beratung sein. Dem Todeswilligen müssen alle Möglichkeiten gezeigt werden, die ihm sein Leben wieder lebenswert erscheinen lassen könnten. Ein Arzt muss immer einbezogen sein.

Sterbehilfe "Beim Sterben wird's persönlich"
Sterbehilfe-Debatte im Bundestag

"Beim Sterben wird's persönlich"

Wie geht die Gesellschaft um mit kranken Menschen, die sterben wollen? Der Bundestag nimmt sich viel Zeit, um über diese Frage zu debattieren. Es geht um ein Verbot von organisierter Sterbehilfe und die Rechtssicherheit von Ärzten. Vor allem aber um die Würde des Menschen.   Von Markus C. Schulte von Drach

Der Staat ist gefragt, die Pflegeheime zu menschenwürdigen Orten des Lebens zu machen. Es müssen mehr und bessere Plätze in Sterbehäusern, den Hospizen geschaffen werden. Die Schmerzbehandlung, die Palliativmedizin, muss ausgebaut werden. Niemand soll sich den Tod wünschen, weil er schlecht gepflegt wird oder vermeidbare Schmerzen ertragen muss. Es muss staatliche Pflicht sein, dafür Sorge zu tragen.

Wer dann immer noch den Tod sucht, dem darf der Staat diesen schweren Schritt nicht verweigern.