Präsidentschaftswahl in Brasilien Rechtspopulist Bolsonaro gewinnt erste Runde deutlich

  • Der Rechtspopulist Bolsonaro hat die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien klar gewonnen. Er kommt auf etwa 46 Prozent der Stimmen.
  • Linkskandidat Haddad von der Arbeiterpartei (PT) schnitt am zweitbesten ab (28 Prozent).
  • Bolsonaro und Haddad treten am 28. Oktober in einer Stichwahl gegeneinander an.

Der Rechtspopulist Jair Bolsonaro hat die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien klar gewonnen. Nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen kommt Bolsonaro auf etwa 46 Prozent, wie die Wahlbehörde nach der Wahl vom Sonntag mitteilte. Auf dem zweiten Platz landete Fernando Haddad von der linksgerichteten Arbeiterpartei (PT) von Ex-Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva mit etwa 28 Prozent. Bolsonaro und Haddad treten in drei Wochen in einer Stichwahl gegeneinander an.

Der Ausgang der Wahl ist ein Triumph für Bolsonaro, der häufig als "Donald Trump Brasiliens" bezeichnet wird. Umfragen hatten den 63-Jährigen zuletzt bei etwa 36 Prozent gesehen - bei der Wahl erhielt er nun deutlich mehr Stimmen. Er kam sogar nahe an die absolute Mehrheit, mit der er die Wahl in der ersten Runde gewonnen hätte.

Bolsonaro will Waffengesetze lockern

Der Ex-Offizier und Verteidiger der früheren Militärdiktatur (1964 bis 1985) ist immer wieder mit rassistischen und sexistischen Äußerungen aufgefallen. Er hat für den Fall eines Wahlsiegs einen Kampf gegen Korruption und Kriminalität angekündigt und will die Waffengesetze lockern. Bei der Wahl waren etwa 147 Millionen Brasilianer aufgerufen, einen Nachfolger für den konservativen Staatschef Michel Temer zu wählen. Insgesamt traten 13 Kandidaten an.

Die Arbeiterpartei hatte Haddad als Ersatzkandidaten für den wegen Korruptionsvorwürfen verurteilten und inhaftierten Ex-Staatschef Lula da Silva ins Rennen geschickt. Lula hatte lange Zeit dafür gekämpft, doch noch kandidieren zu können. Haddad, der frühere Bürgermeister der Millionenmetropole São Paulo, hatte deswegen nur wenig Zeit für den Wahlkampf - nicht einmal einen Monat.

Die Stichwahl dürfte deutlich enger werden

Zwar landete Bolsonaro in der ersten Wahlrunde weit vor Haddad. Die Stichwahl am 28. Oktober dürfte aber deutlich enger werden. Der 55-jährige Haddad dürfte die Unterstützung vieler unterlegener Kandidaten bekommen. Umfragen hatten zuletzt für die Stichwahl einen sehr knappen Ausgang vorhergesagt.

Vor allem die Benachteiligten in Brasilien trauern bis heute Lula nach, der umfassende Sozialprogramme für die Armen aufgelegt hatte. Während seiner Amtszeit von 2003 bis 2010 erlebte das lateinamerikanische Land einen wirtschaftlichen Aufschwung. Doch in der Amtszeit seiner Parteifreundin und Nachfolgerin Dilma Rousseff rutschte Brasilien in eine tiefe Rezession. Rousseff wurde 2016 wegen mutmaßlicher finanzieller Vergehen des Amtes enthoben. Viele Brasilianer machen die Arbeiterpartei für die wirtschaftliche Misere verantwortlich und setzen große Hoffnung in Bolsonaro.

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