USA Polizeichef von Chicago nach tödlichen Schüssen auf Schwarzen gefeuert

16 Schüsse auf einen schwarzen Jugendlichen, die Anklage erst ein Jahr später, Proteste auf den Straßen von Chicago. Die Entlassung des Polizeichefs ist Aktivisten nicht genug.

Nach öffentlichen Protesten gegen die Art und Weise, wie die Stadt Chicago mit dem Tod eines schwarzen Jugendlichen umgegangen ist, ist der örtliche Polizeichef seines Amtes enthoben worden. Bürgermeister Rahm Emanuel gab die Entlassung Garry McCarthys am Dienstag bekannt.

"Jetzt ist es Zeit für frische Augen und eine neue Führung", sagte Emanuel. Er würdigte zwar McCarthys Führungsqualitäten, betonte aber, dass das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Polizei durch den Tod des 17-Jährigen stark gelitten habe.

Der Schritt kann als Versuch gewertet werden, auf die wütenden Demonstrationen und Blockaden der vergangenen Tage angemessen zu reagieren. Die schwarze Protestbewegung "Black lives matter" fordert allerdings auch den Rücktritt Emanuels.

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14 Kugeln auf den am Boden liegenden Jugendlichen

Hintergrund ist der Tod des damals 17-jährigen Laquan McDonald: Ein weißer Polizist hatte ihn im Oktober 2014 mit 16 Kugeln tödlich verwundet. Nur zwei Geschosse trafen ihn im Stehen. Vergangene Woche war ein knapp 40 Sekunden langes Video bekannt geworden, in dem der Teenager auf einer vierspurigen Straße zu sehen ist. Er bewegt sich von zwei Beamten weg, die mit gezogenen Waffen aus ihrem Streifenwagen steigen. Plötzlich feuert einer der Polizisten aus nächster Nähe und schießt auch dann noch weiter, als der Junge zusammengekrümmt auf dem Boden liegt.

Nach Angaben der Polizei hatte er ein Messer bei sich und die halluzinogene Droge PCP in seinem Blut. Laut Staatsanwaltschaft war das rund acht Zentimeter lange Messer jedoch zugeklappt, als es am Tatort gefunden wurde.

Die Stadt hatte bis zur Anklage wegen Mordes ein ganzes Jahr gebraucht. Es ist einer von mehreren Fällen seit dem vergangenen Jahr, in denen Schwarze von weißen Polizisten erschossen worden waren. Im ganzen Land kam es in der Folge zu Protesten gegen die Polizeigewalt.

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