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Pflege:Kasse machen - jetzt

Die Branche hätte die Chance, ihre Situation zu verbessern.

Von Rainer Stadler

Das Gegenteil von "gut" ist bekanntlich "gut gemeint". Gut gemeint war die Idee, Pflegekräften wegen ihrer besonderen Belastung in der Corona-Krise einen Bonus von bis zu 1500 Euro zu zahlen. Dafür gab es breite Unterstützung aus der Politik und den Applaus der Öffentlichkeit. Doch im endlosen Gezerre um die Finanzierung dieser Prämie droht die Geste unterzugehen. Die Zweifel wachsen, ob es sich nicht doch nur um ein Almosen handelt.

Gut für die Pflege wäre vor allem ein flächendeckender Tarifvertrag. Zu viele Träger von Heimen drücken ihre Kosten, indem sie Hilfskräfte ohne Ausbildung zu Billiglöhnen beschäftigen - zum Leidwesen der Pflegebedürftigen, die oft viel Geld für einen Heimplatz zahlen und dennoch miserabel behandelt werden. Gut für die Pflege wäre es, wenn sich die Beschäftigten endlich im großen Stil organisierten, um berechtigte Interessen durchzusetzen und sich gegen die Arbeitsbedingungen zu wehren, die ihnen viele Träger zumuten. Die Corona-Krise hat eindrucksvoll gezeigt, dass Pflegekräfte unersetzlich sind. Sie sollten die Gunst der Stunde nutzen und daraus Kapital schlagen.

Das hätte freilich die unangenehme Folge, dass Pflege teurer würde und die Deutschen künftig mehr in die Versicherung einzahlen müssten. Ob dann immer noch alle klatschen?

© SZ vom 26.05.2020

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